Anna und ihre Jungs aus’m All
Wer sich einigermaßen für Deutschrock interessiert, kennt auch DDR-Bands wie City, Karat, und natürlich Silly, stark und schillernd verkörpert durch Frontfrau Tamara Danz. Nach ihrem Krebstod 1996 schien die Ära Silly vorbei - bis die längst noch nicht spielmüden Herren Hassbecker, Barton und Reznicek 10 Jahre später Gastsängerinnen und -sänger um sich versammelten, und als “Silly & Gäste” auf Tour gingen. Schließlich wurde daraus die Große Liebe zu Schauspielerin Anna Loos, die seitdem das sängerische Erbe von Tamara Danz angetreten hat. Im März erschien das erste Album in der neuen Besetzung - mit komplett neuen Songs, die das Silly-Repertoire ab sofort erweitern werden.
Am Freitag landete dieses “Ost-Ufo” nun im Mainzer Volkspark, und verzauberte das beglückte Wessi-Publikum südlich des Rheins.
Anna Loos wirbelte im schwarzem Top, knackiger kurzer Jeans und Netzstrumpfhose über die Bühne, und die Herren standen so braungebrannt, langhaarig, ledrig und schlicht präsent auf der Bühne, als hätte es nie etwas anderes als die aktuelle Formation gegeben.

Das lauschig-gemütliche Open-Air-Gelände war allerdings nur mäßig besucht, gefühlte 2.000 Besucher schienen es mir zu sein. Vor der Bühne hätte man locker grillen können, und es dauerte eine ganze Weile, bis der Funke übersprang. An Silly selbst lag es nicht - die Altherren mit wohlgewählter und gutgelaunter Gesangsdame nebst weiteren Livemusikern gaben von Anfang an alles; Anna schenkte mir bloß das gesamte Konzert über nicht mal einen Blick, obwohl ich in der zweiten Reihe stand - hm… …Einzelschicksal.

Die neue Formation brachte gleich zu Beginn selbstbewußt ganze sieben Stücke des neuen Albums ALLES ROT hintereinander - und das Experiment funktionierte, auch dank der wunderschönen Ballade “Findelkinder” und der starken ersten Single “Ich sag nicht ja” in diesem Block.
Dann packte mich die Ostalgie: ich hörte DEN Klassiker “Mont Klamott” zum ersten Mal live! Auch wenn Wildfang Anna Loos mit ihren hin- und hergeworfenen Haaren und ganz eigener Persönlichkeit damit Tamara Danz nicht kopierte, hatte ich manchmal ein wenig das Gefühl, die löwenmähnige DDR-Rockerin vor mir zu sehen. Für mich kein Widerspruch. Schöne Momente. Es folgte ein Block aus der Elektroakustik-Tour, “Flieg”, “Verlorene Kinder” und “So´n kleine Frau”.
Etwas später funktionierte dann überraschenderweise der neue Song “Kapitän” live viel besser als auf dem Album, wo ich ihn gern mal überspringe. Eine Anspielung auf die nicht genügend wahrgenommene Verantwortung der aktuellen Regierung sei das, ließ uns die Band dazu wissen.
Toll dann auch der Silly-Klassiker “Wo bist du” und das Titelstück des neuen Albums “Alles Rot”.
Als Zugabe und gleichzeitig mein persönliches Highlight dann: “Bataillon d´amour”-für mich DER Silly-Song schlechthin.
Nach “Leg mich fest” dann zum Abschluß das Tamara Danz gewidmete Stück “Sonnenblumen”, wunderschön!
Mit einer Spielzeit von 1 Std. 50 Min. hätte das Set für mich ruhig noch etwas länger sein können. Wie gesagt, sprang der Funke erst recht spät über, vielleicht erst kurz vor den Zugaben. Die Mainzer waren locker geworden, hatten sich eingegroovt. Annas Appelle wie “Wenn Euch ein Song gefällt, ist es völlig ok, den mitzusingen!” griffen leider erst zu dieser “späten Stunde”. Man hat sich beschnuppert und mögen gelernt - und ich glaube es der Band, wenn sie sagt “wir kommen auf jeden Fall wieder, Mainz!”. Also nächstes Mal von Anfang an ein bissi mehr Feuer im Arsch, liebes Publikum! Diese Band hat es verdient! Chapeau!
Bericht und Fotos: Jörg Buschka



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Noch einige Momente lang schwärmen die Cuxhavener Mädels von ihren Männern, und Buschka findet wieder einmal eine Gelegenheit, den “Sauerland-Stern” zu erwähnen… Nebenbei erfahren er und Jan, daß sie auf der gefährlichsten Straße Deutschlands unterwegs waren, und die junge Cuxhavenerin Romina bewirbt sich spontan als Assistentin bei B.e.D. Dann will es Buschka wissen: er folgt einem Weg, der vom Weihnachtsmarkt direkt in die absolute Dunkelheit führt. Die fröhlichen Stimmen verebben, und bleierne Schwärze umhüllt das kleine Reportageteam aus Südhessen. Wenig später sind dann wieder die unbekannten Adern aus Asphalt Buschkas gewohntes Zuhause - die endlosen Straßen der hier noch unentdeckten Heimat. Und wieder einmal ersinnt der Ausnahmejournalist einen genialen Plan, um dem Sinn des Lebens ein wenig näher zu kommen: ein im Sperrmüll schon aufgegebener, halb luftleerer Fußball gibt fortan die Marschroute durch das nächtliche Cuxhaven vor. Ein in diesem Zusammenhang spontan ersehnter, romantischer Moment, wird allerdings leider der Gegenwart nicht preisgegeben. Stattdessen kommt es fast zu einem Autounfall. Ganz wichtig für Kinder, die heute zuschauen: Niemals nachts mit einem halb luftleeren Fußball durch die Straßen ziehen, und schon mal gar nicht unachtsam dagegen treten! Buschka erlangt schließlich wieder festen moralischen Boden unter seinen Füßen, und strandet neugierig in einem Vereinsheim, aus dem laute, lebensbejahende Musik dringt. Zeit, sich auf das Wichtigste zu besinnen: Gemeinschaft haben, damit Liebe untereinander entstehen kann!
Auf dem Weihnachtsmarkt rund um das Schloß Ritzebüttel erfährt Buschka von der Elbvertiefung und dem für Cuxhaven daraus entstehenden Problem der Mehrbelastung für die Deiche und evtl. auch zusätzlichen Schlickablagerungen. Der Chef des Schloßrestaurants zeigt ihm das urige Kreuzgewölbe aus dem 14. Jhd., paludert ein bißchen über das kulinarische Angebot seines Hauses, und gewährt dem Ausnahmereporter freundlicherweise einen spontanen Einblick in die Küche. Vor dem Schloß hat die Weihnachtsmarktstimmung ihren Höhepunkt erreicht: Echte Nordlichter “schnacken” nicht nur mit Buschka, sondern tun das, was Barack Obama und Angela Merkel (die ja für uns “zuständig” ist) schon lange fordern: in schwierigen Zeiten zusammenstehen… …und dabei auch noch singen! Und es wird noch intimer: Junge Cuxhavener erzählen über eine wilde Boßeltour und über den heimischen “Brauch” der Jungs, ihre Mädels bei Männerabenden vorher “abzugeben”. Doch Buschka erfährt auch die ganz eigene Interpretation dieses Vorgangs aus Sicht der Damen, und lauscht den Jungs etwas ungläubig, als sie davon berichten, wie locker junge Cuxhavener Liebesbeziehungen angeblich während der Feriensaison gehandhabt werden, während attraktive Gäste im Lande sind, die sich nach kurzen amourösen Abenteuern umsehen.
Das Gespräch zwischen Buschka und der Lady im Rollstuhl geht weiter. Immer wieder von amourösen Attacken ihrerseits unterbrochen, entsteht ein Mosaik aus wunderbar sanften, fröhlichen, und auch sehr ernsten verbalen Versatzstücken. Und durch die äußeren Schichten der schnellen Kommunikation hindurch sind Herzlichkeit und Sehnsucht nach Normalität und Zufriedenheit deutlich spürbar. “Barbara” - wie sie sich Buschka unter ihrem Pseudonym vorstellt - verbirgt aber offenbar auch eine Seite an sich, die sie nicht preisgeben will. Und sie wird auch sehr zornig: der Zuschauer erfährt von ihren Anstrengungen um für sie dringend notwendige Leistungen der Krankenkasse. Ein außergewöhnliches Treffen mit einer liebenswerten Frau, der man ihr schwieriges Schicksal nicht abspürt. Weiter geht die Odyssee durch Cuxhaven. Buschka besucht auf dem Weihnachtsmarkt die Tochter von Wurst- und Punsch-Verkäuferin Ella, mit der er in der vergangenen Episode Bekanntschaft geschlossen hat. An deren illustren Stand probiert der Ausnahmereporter die Cuxhavener Spezialität “Eiergrog”. Ja, es ist Alkohol drin - aber das Zeug schmeckt so hammerlecker… …und ist wegen seiner Süße zum Glück nicht dazu geeignet, in “Massen” getrunken zu werden. Und endlich geht mit Buschka auch mal wieder der “Juan” durch: an einem Stand mit lateinamerikanischer Musik schwingt er lasziv und gekonnt die Hüften - Bilder, die bereits jetzt zu dem Erotischsten gehören, was das Jahr 2009 medial zu bieten hat! Und auch die Finanzkrise ist bei B.e.D. angekommen: mit einem “Eingeborenen” diskutiert Buschka die Umstände der derzeitigen Katastrophe.![Validate my RSS feed [Valid RSS]](http://www.buschka-entdeckt.de/valid-rss.png)