Folklore 009
Mensch, Kinder, schon wieder´n Jahr rum - am Wochenende bin ich erneutest auf dem Folklore-Festival-Gelände in Wiesbaden flaniert. Diesmal mit dem Focus auf Leute-Treffen anstatt Konzerte schauen. Das Besondere wie immer: die Mischung aus Jahrmarkt und Open Air Festival bietet angenehmes Flair für Einzelentdecker, kleine Gruppen, und eben auch ganze Familien. Neben dem offiziellen Programm hat das Zusammensein derart unterschiedlicher Besucher für mich vor allem seinen Charme durch die jungen Familien. Kinder, die einfach zufrieden spielen, nörgelnd um buntes Ökospielzeug von ´nem Stand betteln, oder applaudierend Spaß an einem der kindgerechten Bühnenprogramme haben. Meine Beobachtungen: der Freitagnachmittag begann für Festivalhungrige leider zunächst mit einer bösen langen Schlange am Einlaß. Da entstand - trotz aller guter Gesamtorga - ein Nadelör, über das sich Viele später genervt bei Drinks, leckeren Multi-Ethno-Snacks oder sensationellem Bio-Eis im Gespräch ausließen. Mißfallen über “zu viele kleine Stände” kann ich hingegen nicht verstehen; im Gegenteil: besonders der immer noch etwas stiefmütterlich besuchte Bereich hinter dem Schlachthof erstrahlte in diesem Jahr durch die schmucke Kleinkunst-Bühne (gut; da fand auch Poetry Slam statt, was ich persönlich weniger mag), einer Elektro-Area im kueschlischen Sand, ´ner Reihe weiterer kulinarischer Angebote, im Military-Look ausstaffierte Reggae-DJ-Turntables, sowie der Open-Stage-Kreativfabrik-Bühne in einem ganz neuen Licht. Die bauliche Veränderung des Geländes vorm Turm gefällt mir allerdings nicht. Fast schon stalinistisch tradiert anmutende, lange Betonklötze - treppenförmig angelegt - sollen zum Sitzen einladen (stattdessen Hämmorhoiden- und Blasenentzündungs-Gefahr). Was hat die Stadt da bloß angestellt? Gut, kann Folklore ja nix dafür. Fettes Brot habe ich mir am Abend auszugsweise angeschaut; Thema u.a. “Stasi 2.0″. Alles perfekt; Technik angenehm, Band in Hochform, Stimmung auf´m Platz! Die Hauptbühne stand dieses Jahr für das Gelände gesehen optimal - für die Stände am Eingang allerdings manchmal störend; gemütliches Flanieren litt teilweise unter der Lautstärke vom Konzert. Im Schlachthof selbst war ich kaum, weil mich persönlich - trotz des richtig (!) guten Musik-Angebots wie z.B. rumänischer Klezmer-Mucke aus Berlin - bei ´nem Open-Air-Festival eben eher das Außengelände reizt. Natürlich bietet sich logistisch die Kombi perfekt an. Bei ´ner Mini-Stippvisite in der Räucherkammer war´s mir zu stickig. Obwohl das Rauchen in solchen Bereichen inzwischen verboten ist - die Luft stand zu sehr und roch säuerlich nach allen Schweißsorten des Universums. Tolles Feature ´09: ein Erlebnis-”Flug” in einer krangehobenen Kabine bis hoch oben über der Hauptbühne. An der Neugestaltung des Geländes gefallen mir die beiden großen Sandflächen, die es flankieren. Eine als Kulisse der schon erwähnten Elektro-Area (samt Tipis), die Andere direkt hinter dem Eingang, ebenfalls von Tipis gesäumt. Im übrigen Jahr zum Beachvolleyball gedacht - mit entsprechender fester Pfosteninstallation. Da haben die Stadtväter mitgedacht! Ebenso bei den metallverstärkten Skaterblöcken in unmittelbarer Nachbarschaft.
Zurück zum Geschehen: nach Fettes Brot bot sich mir auf der großen Bühne eine Kabarettveranstaltung dar, die ich nicht verstand. Eine schwarze, über die ganze Bühne gezogene Wand, in deren Mitte sich eine weiße Tür befand. Daraus kamen lustig Personen mit schwarzen Koffern, gingen wieder hinein, änderten ihre Gangart, schlurften aneinander vorbei, oder standen zusammen und sangen russische Lieder. Als Kulisse zum lockeren Kennenlernen zweier aparter Eisenacher Damen erwies sich mir der Auftritt dann aber immerhin als hilfreich. Highlight am Samstag waren für mich auf der großen Bühne die Lokalmatadoren Frau Doktor, die im noch bei Tageslicht stattfindenden Vorprogramm von Mediengruppe Telekommander die Festivalmeute zum Springen brachten. Wagner Love habe ich leider verpaßt - zum Trost sehe ich die gut rockenden Jungs privat so ziemlich jedes Wochenende im Gestüt Renz. Die Mediengruppe mag isch net. Beastie-Boys auf Deutsch, gingen mir vor Jahren schon auf´n Keks, und so war´s auch dieses Jahr. Hab´in der Zeit am Newcomer-Stand von Clöeb und Fasan mit Kollegen und netten Partymäusen geplaudert, und Leckeres vom traditionellen Edel-Afghanen geknuspert. Danach auf der großen Bühne die Hammer-Lachshow von Maschek. Drei Jungs intonieren TV-Berichte neu, z.B. die Einweihung einer Halle durch den Papst samt “nachsynchronisiertem” Kinderchor. Klar ein Höhepunkt des Festivals. Das Trio Sorrentino ebenfalls der Knaller, und unterwegs auf de Gass Theater Gajes, eine Horde brüllend komischer szenemachender Holländer Stelzenläufer in schrägen Westernklamotten und die bezaubernden Pilze vom Theatre de la Toupine. Getränke-Muß: der leckere Club-Mate bei den Freunden vom Chaos Computer Club (nebbe de Kreativfabrik). Am Sonntag kam ich quasi zu spät. Um die große Bühne herum Rockabillies und Teds, Mussik von den Londonern Kitty, Daisy & Lewis. Stimmung weltklasse. Knappes Fazit: Musikprogramm (kann ich dieses Jahr kaum beurteilen; soweit ich´s mitbekommen habe aber:) vielfältig, also erfolgserprobt und auch genügend Neues (was viele riesige Straßenfeste wie das Darmstädter Schloßgrabenfest inzwischen nicht mehr haben; stattdessen nur totgeleiertes Coverzeugs). Gelände steriler und kühler durch die finale Gestaltung der Stadt Wiesbaden, allerdings schön belebt durch die neue Stände-Aufteilung der Folklore-Veranstalter. Auch im dritten Jahr nach Folklore im Garten kann das erweiterte Schlachthofgelände das Schloß Freudenberg für mich einfach nicht ersetzen, aber wenn es darum geht, hier durch Programmgestaltung und nach wie vor superfaire Eintrittspreise (kein Vergleich zum “elitär” gewordenen Open Ohr in Mainz) eine besondere, bunte Atmosphäre zum Wohlfühlen und Erleben zu schaffen (und das Ding war ja auch bis auf Sonntag wieder richtig gut besucht!), dann ist das 2009 wieder absolut gelungen!
Bericht: Jörg Buschka



IN EIGENER SACHE: Einstellen der wöchentlichen Neuerscheinungen. Alle Infos unten nach der Inhaltsangabe.
Noch einige Momente lang schwärmen die Cuxhavener Mädels von ihren Männern, und Buschka findet wieder einmal eine Gelegenheit, den “Sauerland-Stern” zu erwähnen… Nebenbei erfahren er und Jan, daß sie auf der gefährlichsten Straße Deutschlands unterwegs waren, und die junge Cuxhavenerin Romina bewirbt sich spontan als Assistentin bei B.e.D. Dann will es Buschka wissen: er folgt einem Weg, der vom Weihnachtsmarkt direkt in die absolute Dunkelheit führt. Die fröhlichen Stimmen verebben, und bleierne Schwärze umhüllt das kleine Reportageteam aus Südhessen. Wenig später sind dann wieder die unbekannten Adern aus Asphalt Buschkas gewohntes Zuhause - die endlosen Straßen der hier noch unentdeckten Heimat. Und wieder einmal ersinnt der Ausnahmejournalist einen genialen Plan, um dem Sinn des Lebens ein wenig näher zu kommen: ein im Sperrmüll schon aufgegebener, halb luftleerer Fußball gibt fortan die Marschroute durch das nächtliche Cuxhaven vor. Ein in diesem Zusammenhang spontan ersehnter, romantischer Moment, wird allerdings leider der Gegenwart nicht preisgegeben. Stattdessen kommt es fast zu einem Autounfall. Ganz wichtig für Kinder, die heute zuschauen: Niemals nachts mit einem halb luftleeren Fußball durch die Straßen ziehen, und schon mal gar nicht unachtsam dagegen treten! Buschka erlangt schließlich wieder festen moralischen Boden unter seinen Füßen, und strandet neugierig in einem Vereinsheim, aus dem laute, lebensbejahende Musik dringt. Zeit, sich auf das Wichtigste zu besinnen: Gemeinschaft haben, damit Liebe untereinander entstehen kann!
Auf dem Weihnachtsmarkt rund um das Schloß Ritzebüttel erfährt Buschka von der Elbvertiefung und dem für Cuxhaven daraus entstehenden Problem der Mehrbelastung für die Deiche und evtl. auch zusätzlichen Schlickablagerungen. Der Chef des Schloßrestaurants zeigt ihm das urige Kreuzgewölbe aus dem 14. Jhd., paludert ein bißchen über das kulinarische Angebot seines Hauses, und gewährt dem Ausnahmereporter freundlicherweise einen spontanen Einblick in die Küche. Vor dem Schloß hat die Weihnachtsmarktstimmung ihren Höhepunkt erreicht: Echte Nordlichter “schnacken” nicht nur mit Buschka, sondern tun das, was Barack Obama und Angela Merkel (die ja für uns “zuständig” ist) schon lange fordern: in schwierigen Zeiten zusammenstehen… …und dabei auch noch singen! Und es wird noch intimer: Junge Cuxhavener erzählen über eine wilde Boßeltour und über den heimischen “Brauch” der Jungs, ihre Mädels bei Männerabenden vorher “abzugeben”. Doch Buschka erfährt auch die ganz eigene Interpretation dieses Vorgangs aus Sicht der Damen, und lauscht den Jungs etwas ungläubig, als sie davon berichten, wie locker junge Cuxhavener Liebesbeziehungen angeblich während der Feriensaison gehandhabt werden, während attraktive Gäste im Lande sind, die sich nach kurzen amourösen Abenteuern umsehen.
Das Gespräch zwischen Buschka und der Lady im Rollstuhl geht weiter. Immer wieder von amourösen Attacken ihrerseits unterbrochen, entsteht ein Mosaik aus wunderbar sanften, fröhlichen, und auch sehr ernsten verbalen Versatzstücken. Und durch die äußeren Schichten der schnellen Kommunikation hindurch sind Herzlichkeit und Sehnsucht nach Normalität und Zufriedenheit deutlich spürbar. “Barbara” - wie sie sich Buschka unter ihrem Pseudonym vorstellt - verbirgt aber offenbar auch eine Seite an sich, die sie nicht preisgeben will. Und sie wird auch sehr zornig: der Zuschauer erfährt von ihren Anstrengungen um für sie dringend notwendige Leistungen der Krankenkasse. Ein außergewöhnliches Treffen mit einer liebenswerten Frau, der man ihr schwieriges Schicksal nicht abspürt. Weiter geht die Odyssee durch Cuxhaven. Buschka besucht auf dem Weihnachtsmarkt die Tochter von Wurst- und Punsch-Verkäuferin Ella, mit der er in der vergangenen Episode Bekanntschaft geschlossen hat. An deren illustren Stand probiert der Ausnahmereporter die Cuxhavener Spezialität “Eiergrog”. Ja, es ist Alkohol drin - aber das Zeug schmeckt so hammerlecker… …und ist wegen seiner Süße zum Glück nicht dazu geeignet, in “Massen” getrunken zu werden. Und endlich geht mit Buschka auch mal wieder der “Juan” durch: an einem Stand mit lateinamerikanischer Musik schwingt er lasziv und gekonnt die Hüften - Bilder, die bereits jetzt zu dem Erotischsten gehören, was das Jahr 2009 medial zu bieten hat! Und auch die Finanzkrise ist bei B.e.D. angekommen: mit einem “Eingeborenen” diskutiert Buschka die Umstände der derzeitigen Katastrophe.
An einer gemütlichen Würstchenhütte plaudert Buschka mit aufgeschlossenen Cuxhavenern über die subtile Magie eines Samstagabends, an dem spürbar noch alles drin ist. Die Chefin höchstpersönlich packt neben einer schonungslosen Einschätzung der Nord-Männer schließlich eine Story voll knisternder Erotik aus. Wildromantische Momente liegen in der Luft, deren wärmende Wirkung durch guten Punsch noch verstärkt wird. Dann sind Buschka und Jan mal wieder fix und fertig, und eine nahegelegene Gaststätte wird aufgesucht: endlich Schmackofatz! Und zufälligerweise findet an diesem Ort gleich schon die nächste große Begegnung dieser Episode statt. Buschka trifft eine bezaubernde Dame in einem Rollstuhl. Besonderes Kennzeichen: sie läßt ihr Gegenüber binnen kurzer Zeit vergessen, daß sie mit einer Behinderung/einer schweren Krankheit lebt. Für Buschka beginnt eine schwierige, aber sehr sympathische Gratwanderung zwischen sprühender Lebenslust und Tragik.
Buschka und seine spontane Cuxhavener Fremdenführerin Ulrike schlendern vorbei an Touristik-Geschäften und exotisch anmutenden Skulpturen, und landen im Haus der “Wattenpost”. Die Dame des Hauses backt ein Lebkuchenhaus, und erzählt dem Wiesbadener Plagegeist von 12 Kilometer langen Kutschfahrten, die vom Strand aus bei Ebbe unternommen werden können. Bevor die Entdeckungsreise dann weitergeht, schenkt ein Pferd im Hof Buschka noch etwas Zärtlichkeit. Der Ausnahmereporter und sein Kollege, Bewegtbild-Virtuose Jan Vogel, fahren in die Cuxhavener Innenstadt. Von den letzten Sonnenstrahlen hinter grauen Wolken in Szene gesetzt, präsentieren sich der alte Frachtsegler “Hermine” und der Wasserturm. Dann geht Buschka wieder auf Tuchfühlung mit den Einheimischen, entlockt einer Dame einige Worte traditionellen Plattdeutschs. Dunkelheit legt sich über die Stadt, und die Lichter der Weihnachtsmarktbuden und die Düfte von Bratwurst und Punsch locken das Team an wie hungrige Wölfe. Dann, und nur in genau diesen Momenten, könnte der noch ungeschulte Zuschauer, der mit dieser Folge vielleicht zum ersten Mal “einschaltet”, Buschka entdeckt Deutschland für ein bloßes Städteportrait-Format halten. Für ein angenehmes, das das Herz auf wundersame Weise gefangen nimmt und Sehnsucht schürt nach neuen warmen Momenten in einer kalten Winternacht. Sei´s drum und bis nächste Woche sagen Kapitän Buschka und Kameraklabautermann Vogel! 
Auf Erkundungstour in dem Cuxhaven-Duhnener Privathaus erfährt Buschka allerlei Geschichten, noch mehr Lebensweisheiten, Anekdoten und Kurioses - und verwandelt sich z.B. in das Rotkäppchen. Dann die Ernüchterung: die Hausherrin, ihres Zeichens Diätassistentin, bemängelt knallhart den Bauchansatz des Ausnahmereporters, und konfrontiert ihn mit Sofortmaßnahmen zur Bekämpfung von drohender dauerhafter Dickleibigkeit! Draußen vor dem Haus tauscht Buschka dann mit dem Hauseigentümer Weltanschauliches aus - auf der Suche nach dem Sinn allen Seins. Und durch die Blume erfährt der Zuschauer, was es mit der Beziehung der beiden Duhnener wirklich auf sich hat. Schließlich führt die attraktive Lady Buschka noch zu einem potentiellen weiteren Highlight dieser Episode. Bleiben Sie dran! ![Validate my RSS feed [Valid RSS]](http://www.buschka-entdeckt.de/valid-rss.png)