Buschka entdeckt Deutschland

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Grandiose Dritte Runde

Erschienen im Dezember 2010

Was eigentlich wohl eher eine Lufthol´-Pause zwischen zwei Alben war, gilt in unserer musikalisch gesehenen Speed-Dating-Zeit nu schon als “Comeback”: JULI haben am 29. November in Neu-Isenburg ihr neues Werk “In Love” live vorgestellt.

eva

Gefühlt waren etwa 1.500 Leute gekommen, die kuschelige Hugenottenhalle war nicht ganz voll. Den typischen Juli-Fan im Publikum auszumachen, schien mir unmöglich, denn es waren von fünf bis achtzig alle vertreten. So, wie´s der Legende nach sonst eher bei PURens zugehen soll. Allerdings hat diese Crowd weder Gas gegeben, noch mal richtig mitgesungen. Einzig beim größten Hit “Perfekte Welle”. Was´n lahmer Haufen! Nicht genug: um mich herum, meist so in der zehnten Reihe, wurde während der Songs laut gequatscht - auch bei Balladen. Das hatten JULI nicht verdient, denn, was sie an diesem Abend live vorstellten, war wirklich gut! Eva Briegel und ihre Jungs präsentierten eine klasse Mischung aus ihren drei bisherigen Platten mit Leidenschaft und Gefühl.

band

Bei soviel Zufriedenheit auf meiner Seite nur wenig Kritikpunkte: Der Sound war über lange Strecken nicht gut gemischt und einfach zu laut. Das Set leider ein wenig kurz: inklusive Zugaben dauerte es nur 90 Minuten. Die 1-Mann-Vorgruppe, der deutschsingende Australier “Dyko”, konnte mit seiner nach meinem Geschmack zu wenig mit wirklich Neuem und Eigenem aufwartenden Mischung aus Spätsiebziger-Elektro und Video/Diashow-Karaoke vorab die lahme Menge kaum anheizen.

Daumen hoch: der neue Elektro-Einschlag bei den Gastgebern selbst bereichert den JULI-Flow, reißt aber -glücklicherweise- keine Mauern des innerhalb der letzten sechs Jahre wohlig eingerichteten, typischen Klanggebäudes der Fünf ein.

buehne

Hinter ihnen flimmerten auf zehn nebeneinander platzierten LED-Blöcken chique monochromatische Animationen im Stil der C-64-Generation, über den ihre Sache sichtlich gern und hörbar gut machenden Musikanten dimmten mehrere dutzend Leuchtkugeln Glühwürmchen gleich variabel zur dargebotenen Kunst.
Das Set wurde eröffnet mit der neuen Single “Immer wenn es dunkel wird”, gefolgt vom zweiten großen JULI-Hit “Geile Zeit” - und auch im weiteren Verlauf haben Frau Briegel und ihre Herren eigentlich alles “richtig” gemacht. Leider ging das nicht mit diesem Publikum zusammen. Diesbezüglicher Höhepunkt: das dem aktuellen Album namensgebende Stück “In Love” wurde im Vergleich zur Platte sehr zurückgenommen und leise präsentiert - zart hauchte Eva mit einem Schlägel filigrane Xylophon-Töne dazu in die mal wieder abwesend quatschende und die Stimmung leider ganz und gar nicht mittragende südhessische Menschentraube.
Sehr viel besser klappten das bombastisch daherkommende neue Stück “Maschinen” und das sehr clubbig servierte, ebenfalls ofenfrische “Süchtig”, das dann selbst diese steife Masse zum Hüpfen brachte.
Für mich zeigt JULI aber -auch auf den Alben- seine ganz große Stärke in den längeren Stücken, die eben nicht als knackische, laute und somit massentaugliche Single ausgekoppelt werden. Meist Balladen. Entsprechend außergewöhnlicher atmosphärischer Höhepunkt bei diesem Konzert: das neue Stück “Du lügst so schön”. Fazit: Das neue Material gefällt mir live sehr sehr gut, JULI liefern mit nun drei starken Alben im Rücken eine erstklassige Show, die längst allein “laufen kann”, und von mehr lebt als bloßen Radio-Hits.

Bericht: Jörg Buschka
Fotos: Sinisa Becanovic