Archaisches aus Norwegen
Wieder einmal habe ich was auf die Ohren bekommen…
Ganz zart haucht zu Beginn von Nils Petter Molvaers pressfrischem Neuling “Hamada” eine Trompete, die direkt von einem der Engel am Tor des Paradieses aufgenommen worden sein könnte… …doch dann wird schnell klar, daß ich mich mit diesem Album auf einer Achterbahnfahrt durch wohlig düstere Täler, das Mordor in mir selbst, eine Welt wie aus den EUROPA-Gruselkassetten der späten 70er Jahre befinde.
Ich habe Schwierigkeiten, das Ganze einzuordnen. Jedenfalls soll es Jazz sein. Herr Molvaer sei ein “Innovator des Europäischen Jazz”, erzählt mir die Presseinfo.
Das glaube ich gern - denn für mich klingt das alles zunächst GAR NICHT nach Jazz. Es ist progressiv, es driftet durch viele ganz unterschiedliche Klangschichten, hier und da fliegen WorldMusic-Elemente an meinem Ohr vorbei.

Düster ist “Hamada”, aber dabei dennoch warm. So, als besuchte ich bloß einen alten Kumpel, der sich nun mal inzwischen dafür entschieden hat, sein Geld als Führer von Höllenhund-Schlitten zu verdienen, in denen es sich eigentlich ganz gemütlich fährt.
“Hamada” ist zwischenzeitlich sogar samtweich, und immer wieder funkeln winzige Tröpfchen Hoffnung aus musikalischem Tau auf der Oberfläche der Klangdecke in mein Bewußtsein.
Die einzelnen Stücke fließen wie warme Milch ineinander und durch mich hindurch, manchmal so, daß ich mir ein wenig den Mund an ihnen verbrenne.
Meine Assoziationen reichen Anfangs von Genesis über Marillion, Mike Oldfield, bis zu Sven Väth.
Molvaer greift tief in die Repertoirekiste.
Die musikalische Speisekarte bietet ein breites Spektrum - sogar die gute alte Hammond-Orgel und afrikanische Bongos sind dabei.
Im letzten Drittel wird es dann wirklich düster. Harte Gitarren und Drums treiben mir muffigen Kuttengeruch und beißendes Benzin in die Nase. Ich befinde mich in einem John-Carpenter-Film, in dem Rocker eine ganze Stadt abfackeln. Die Band aus Norwegen zaubert Irgendwas zwischen Dream Theatre und Nine Inch Nails. Was wohl mein alter Schulkumpel “Gülle” dazu sagen würde, der früher die Endzeit-Plattencover für “Morgoth” illustriert hat…?
Ein seltsam ansteckender musikalischer Totentanz, in dem immer wieder neue Tonstränge auftauchen und gleichzeitig andere in die Unendlichkeit abreißen. Mittendrin als Roter Faden eine Art “Trompete von Jericho”, die den Weg zu kennen scheint. Abgefahren!

Ab dem 17.04.09 werden Nils Petter Molvær (Trompete), Eivind Aarset (Gitarre) und Audun Kleive (Drums) mit dem Programm auf eine ausgedehnte Tournee gehen.
Nils Petter Molvaer Live in Deutschland:
17.04.09, Hamburg, Fabrik
20.04.09, Halle, Neue Oper
24.04.09, München, Ampere
25.04.09, Rüsselsheim, Theater
01.05.09, Wolfsburg, Autostadt
02.05.09, Rottweil, Alte Stallhalle
04.05.09, Mannheim, Alte Feuerwache
22.07.09, Kassel, Kulturzelt
26.07.09, Frankfurt, Gelände am Liebighaus
(mehr Daten im November)
Artistpage:http://www.nilspettermolvaer.de
Myspace-Profil:http://www.myspace.com/nilspettermolvaer
Bericht: Jörg Buschka
Fotos: Anja Basma

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Juni 21st, 2009 @ 20:04
Man jetzt muß ich auch noch hier lesen, bin doch nur Video gewohnt.
Aber Norwegen mhhhh uuiiiiihhhh da wollte ich auch schon immer hin.