Buschka entdeckt Deutschland

Artistische Frauenpower

Gespeichert unter: Allgemein — 4. November 2008 @ 13:20

Nach unserem Special vor zwei Jahren fand jetzt am Wochenende die neue Runde des “European Youth Circus” Artistik-Festivals in Wiesbaden statt. Von 130 Bewerbungen aus 18 europäischen Ländern schafften es schließlich 25 Darbietungen in das exklusive Wettbewerbs-Programm.
Ich habe mir sowohl die beiden Wettbewerbe A und B als auch die Gala angeschaut. Wieder lag Zirkusluft in der ganzen Stadt, und am Sonntagmorgen gab es wie gewohnt den ökumenischen Gottesdienst in der Manege, an dem auch viele Artisten teilnahmen, und zu dem der Eintritt selbstverständlich kostenlos war. Die Qualität der Darbietungen war extrem hoch - das Festival definiert inzwischen einen eigenen europäischen Qualitätsstandard im Bereich Artistik. Es gab natürlich auch Unvorhergesehenes. Der Beginn der Abendveranstaltung von Wettbewerb B verzögerte sich, weil ein Logengast bewußtlos geworden war, und weil die ärztliche Erstversorgung nur bei Licht stattfinden konnte. Und zur ersten Galaveranstaltung am Samstag kam “Haus-Moderator” Pascal Raviol sichtlich (sympathisch) ins Schwitzen, weil sein Informations-Zettel mit “tausend” nachträglichen Randnotizen im entscheidenden Moment nicht mehr lesbar war - was zu witzigen Namens-Vertauschungen der Preisträger und Jury-Mitglieder führte.


Jiri Mrazek und Pascal Raviol mit mir inne Mitte hömma!

Das exklusive Beweisfoto des Zettels

Die Zuschauer des Zirkus-Spektakels erwartete dieses Mal ein “Frauen-Überschuß”, der es in sich hatte. Nicht nur die Gold-Gewinner (um es vorwegzunehmen) die Trapezkünstler “Duo Elja” und die Akrobaten-Formation “Dolls” gaben den Ton an, sondern auch ihre Kolleginnen auf dem Vertikalseil, mit der Jonglage, bei der Equilibristik, im Rhönrad (mit männlicher Unterstützung allerdings), mit Hula-Hoops, an den Strapaten, in haarsträubenden Kontorsionistik-Posen, per Rola-Rola, oder an der Strickleiter. Und es gab wenig zu meckern. Die Damen flogen durch die Luft, drehten sich im Kreis, und verbogen sich, daß man aus dem Staunen und Applaudieren nicht mehr herauskam. Manches schmerzte allerdings beim Zusehen: Kontorsionistik gehört für mich seit langem neben Darbietungen mit Tieren nicht in die Manege, weil ich mir nicht vorstellen kann, daß die Wirbelsäule durch die ständige enorme Über- und Fehl-Belastung nicht chronisch geschädigt wird…

Der Sieg der oben Genannten war eine eindeutige Entscheidung der internationalen Jury um Tiger-Palast-Chef Johnny Klinke - anders als bei den Preisverleihungen der letzten Jahre, bei denen manchmal einzelne Stimmen den Unterschied machten.


Die “Dolls”

“Duo Elja”




Die beiden hessischen Goldmädels vom “Duo Elja” versuchen jetzt in Berlin ihr Glück, und haben allein beim EYC drei (!) Preise abgeräumt - u.a. ein Engagement in einem italienischen Zirkus!

Chris Kiliano

Ich möchte hier bei aller Bewunderung der Damen auch den etwas zu kurz gekommenen Herren ein Forum geben. Deshalb gibt es in diesem Artikel eine “Männer-Quote” ;)
Zudem ist mein persönlicher Favorit bei der Preisvergabe leer ausgegangen. Der Deutsche Chris Kiliano bietet an den Strapaten eine so außergewöhnliche körperliche Leistung, daß ich ihm einen der diesjährigen Preise gegönnt hätte. Er schafft es, sich mit seinem ganzen Körper in der Luft zu drehen, während er mit nur einem Arm am Strapaten-Seil hängt. Unglaublich!
Kleiner Trost für den Könner in der Luft: Chris sagte mir, er habe bereits so viele Anfragen zu Engagements, daß er sich die Besten aussuchen könne.


Igor Gavva


“Hand´z up”


Die Teilnehmer des Wettbewerbs A


Jonas & Konrad


“The Haddies Jr. Jr.”


Agathe Tixier


Mira & Esmeralda


“Polinde”

Sonder-Preisträger Arron Sparks aus Großbritannien, der mit seiner JoJo-/Jonglage-Nummer und besonders durch seine ansteckende gute Laune das Publikum begeisterte

Rony Gómez


Festliche Preisvergabe auf der Gala


Neben Arron Sparks noch ein männlicher Gewinner: der Österreicher Richard Kahlig, der mit seinem “Rocker-Outfit” und einer auf seinem Hinterkopf angebrachten Maske samt “Opa-Klamotten” als Jongleur gleich doppelt auf der Bühne agierte

Jeanne Durand-Raucher aus Frankreich, die aus der Szenerie rund um ihren Geburtstagskuchen eine freche Handstandequilibristik-Nummer gemacht hat

Mit dem “European Youth Circus” hat die Stadt Wiesbaden wieder einen wichtigen Akzent in der Kulturförderung gesetzt. Während Zirkus in Deutschland gemeinhin nicht als Kultur eingestuft wird, setzt sich das Kulturamt Wiesbaden seit nunmehr 20 Jahren in besonderer Weise für dieses tolle Zirkusprojekt ein. Bravo!
Schon jetzt gilt es, sich den nächsten Termin Ende Oktober/ Anfang November 2010 zu notieren - denn die Vorstellungen sind ruck-zuck ausverkauft!

Bericht: Jörg Buschka
Fotos: Katrin Kaufmann, Max Weidmüller, Photodesign Steltner

2 Kommentare »

  1. Powerdienstleister:

    … wusste gar nicht, dass Du so zirkusaffin bist (Afrika Afrika, European Youth Circus usw…)
    Wusstest du, dass ich vor 20 Jahren auch auf ner Zirkusschule war ?

    Alles Gute fürs neue Jahr - weiter, immer weiter !
    lg powerdienstleister

  2. stefan:

    seen Duo elja in carl einar häckner show, they are fantastic great artist. se for free here:
    http://svtplay.se/t/148593/carl-einar_hackner__en_battre_varld

    he is were funny to.

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