Buschka entdeckt Deutschland

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Anna und ihre Jungs aus’m All

Erschienen im Juli 2010

Wer sich einigermaßen für Deutschrock interessiert, kennt auch DDR-Bands wie City, Karat, und natürlich Silly, stark und schillernd verkörpert durch Frontfrau Tamara Danz. Nach ihrem Krebstod 1996 schien die Ära Silly vorbei - bis die längst noch nicht spielmüden Herren Hassbecker, Barton und Reznicek 10 Jahre später Gastsängerinnen und -sänger um sich versammelten, und als “Silly & Gäste” auf Tour gingen. Schließlich wurde daraus die Große Liebe zu Schauspielerin Anna Loos, die seitdem das sängerische Erbe von Tamara Danz angetreten hat. Im März erschien das erste Album in der neuen Besetzung - mit komplett neuen Songs, die das Silly-Repertoire ab sofort erweitern werden.
Am Freitag landete dieses “Ost-Ufo” nun im Mainzer Volkspark, und verzauberte das beglückte Wessi-Publikum südlich des Rheins.
Anna Loos wirbelte im schwarzem Top, knackiger kurzer Jeans und Netzstrumpfhose über die Bühne, und die Herren standen so braungebrannt, langhaarig, ledrig und schlicht präsent auf der Bühne, als hätte es nie etwas anderes als die aktuelle Formation gegeben.
annaneu
Das lauschig-gemütliche Open-Air-Gelände war allerdings nur mäßig besucht, gefühlte 2.000 Besucher schienen es mir zu sein. Vor der Bühne hätte man locker grillen können, und es dauerte eine ganze Weile, bis der Funke übersprang. An Silly selbst lag es nicht - die Altherren mit wohlgewählter und gutgelaunter Gesangsdame nebst weiteren Livemusikern gaben von Anfang an alles; Anna schenkte mir bloß das gesamte Konzert über nicht mal einen Blick, obwohl ich in der zweiten Reihe stand - hm… …Einzelschicksal.
sillyneu
Die neue Formation brachte gleich zu Beginn selbstbewußt ganze sieben Stücke des neuen Albums ALLES ROT hintereinander - und das Experiment funktionierte, auch dank der wunderschönen Ballade “Findelkinder” und der starken ersten Single “Ich sag nicht ja” in diesem Block.
Dann packte mich die Ostalgie: ich hörte DEN Klassiker “Mont Klamott” zum ersten Mal live! Auch wenn Wildfang Anna Loos mit ihren hin- und hergeworfenen Haaren und ganz eigener Persönlichkeit damit Tamara Danz nicht kopierte, hatte ich manchmal ein wenig das Gefühl, die löwenmähnige DDR-Rockerin vor mir zu sehen. Für mich kein Widerspruch. Schöne Momente. Es folgte ein Block aus der Elektroakustik-Tour, “Flieg”, “Verlorene Kinder” und “So´n kleine Frau”.
Etwas später funktionierte dann überraschenderweise der neue Song “Kapitän” live viel besser als auf dem Album, wo ich ihn gern mal überspringe. Eine Anspielung auf die nicht genügend wahrgenommene Verantwortung der aktuellen Regierung sei das, ließ uns die Band dazu wissen.
Toll dann auch der Silly-Klassiker “Wo bist du” und das Titelstück des neuen Albums “Alles Rot”.
Als Zugabe und gleichzeitig mein persönliches Highlight dann: “Bataillon d´amour”-für mich DER Silly-Song schlechthin.
Nach “Leg mich fest” dann zum Abschluß das Tamara Danz gewidmete Stück “Sonnenblumen”, wunderschön!
Mit einer Spielzeit von 1 Std. 50 Min. hätte das Set für mich ruhig noch etwas länger sein können. Wie gesagt, sprang der Funke erst recht spät über, vielleicht erst kurz vor den Zugaben. Die Mainzer waren locker geworden, hatten sich eingegroovt. Annas Appelle wie “Wenn Euch ein Song gefällt, ist es völlig ok, den mitzusingen!” griffen leider erst zu dieser “späten Stunde”. Man hat sich beschnuppert und mögen gelernt - und ich glaube es der Band, wenn sie sagt “wir kommen auf jeden Fall wieder, Mainz!”. Also nächstes Mal von Anfang an ein bissi mehr Feuer im Arsch, liebes Publikum! Diese Band hat es verdient! Chapeau!

Bericht und Fotos: Jörg Buschka



Showgirl Marga Behrends gestorben

Erschienen im Juni 2010

Meine liebe Freundin Marga Behrends, Deutschlands ältestes Showgirl, ist Donnerstagmorgen den 20. Mai 2010 mit 102 Jahren friedlich in ihrer Wohnung in Berlin Kreuzberg eingeschlafen.
Sie war im Berlin der 1920er Jahre u.a. im Admiralspalast und auf anderen Showbühnen als Tänzerin aufgetreten, und ich durfte einige ihrer letzten Geburtstage mit ihr und einer wilden Truppe aus Musikern, Tänzern und Freunden feiern.
Danke, Marga, für die vielen schönen Feierstunden mit Dir! In der Berlin-Episode von B.e.D. ist ihre 99. Geburtstagsfeier von 2006 und ein Interview von 1998 zu sehen.

Wir werden Marga sehr vermissen - und im Himmel geht die Party jetzt erst richtig los!!



Schuld am Feiern

Erschienen im Mai 2010

Für einen Moment war es so als ob. Gleich würden sie mit fettem Bass “Es wird Regen geben!” verkünden. Wie 1993 halt, da hab´ich sie in der Messehalle Kassel gesehen. So jung wie die Fantastischen Vier jetzt Donnerstagabend im Dortmunder FZW mit dem neuen Stück “Wie Gladiatoren” die Bühne betraten, haben sie jedenfalls schon lange nicht mehr ausgesehen. Nur das ausschließliche Teeniegeschrei von damals ist etwas abgeebbt. Nu sind auch jede Menge Fast-Vierziger-Senioren wie ich dabei.
Der Gig war der letzte von drei exklusiven WarmUp-Shows im seltenen Club-Ambiente, nicht mal eine Woche nach der Veröffentlichung des neuen Albums “Für Dich Immer Noch Fanta Sie”. Vor den großen SommerOpenAirs und der HerbstTour wurden die Songs mit Live-Band zum ersten Mal vor Publikum gespielt.
Auf der für die Deutschrap-Papas vergleichsweise kleinen Bühne glänzte ein zweistöckiges, rechteckig unterteiltes LED-Arrangement mit einer zweiten Ebene in der Tiefe. Für die Frontmänner Michi Beck, Smudo und Thomas D. um ihren “Paten” Andy Ypsilon fast schon minimalistisch, aber tres superchique zu ihrer Performance.
Gleich beim zweiten Stück, der aktuellen Single “Gebt Uns Ruhig Die Schuld (Den Rest Könnt Ihr Behalten)”, gab´s die gesamte LED-Leuchtpower auf die Augen des gut gestimmten Feiervolks - und der Song ging entsprechend ab, als wär´s ein Klassiker wie “Populär”. Glanzstart.
Es war ein wirklich kuscheliger Abend mit ca. 1.400 Zuschauern.
Nachdem ich mich mit den am Eingang kennengelernten original Dortmundern Kerstin und Sven zum Kopfnicken und Hüpfen in die Crowd gestürzt hatte, war ich vor allem neugierig, wie weit sich eine echte Clubatmosphäre einstellen würde - eben auch mal deutlich weg von einstudierter (wenn auch gewohnt guter) Performance der Herren Rapper hin zum Quatschen mit der Ersten Reihe bzw. untereinander. “Tuchfühlung” hielt sich mit “Pflicht-Programm” am Ende in etwa die Waage. Es wurde einem Paar im Publikum zum Hochzeitstag gratuliert, von Smudo traditionelles StageDiving gepflegt, und sich eben lustigst mit Leuten in den vorderen Reihen ausgetauscht oder “in der großen Runde” bekanntgegeben, daß während der “tollen (fast-) Woche in Dortmund” entgegen gängiger Tour-Klischees natürlich keine Drogen konsumiert worden seien. “Außer vielleicht was geraucht”, wie Thomas einwarf. Den durch die Bank inzwischen häuslich gewordenen Vätern glaube ich das aufs Wort.
Offensichtlich am meisten Spaß mit sich und der Welt hatten die Jungs ausgerechnet beim lauschigsten Stück “Tag Am Meer”. Smudo fiel vor Lachen fast die Handtrommel (oder wie das heißt) mit dem Sand aus der Hand. Der Song klang dadurch nicht weniger intim, schmusig vertraut eben. Seit 16 Jahren schaukeln uns diese Soundwellen jetzt schon sanft die Popos am imaginären Strand in die Höhe, it´s magic! Backflash 1994.
Der übliche Fanta-Party-Wahnsinn breitete sich wie immer bei “Picknicker” und “Was Geht” aus - die Hütte tobte bis unner de Deck - es war voll, aber ohne totales Gedränge. Superangenehm.
Auch Einiges vom Vorgänger-Album “Fornika” und den neuen alten Klassiker “Troy” gab´s zu hören.
Das wirklich Besondere dieses Club-Gigs: die neuen Songs waren noch so frisch, daß sie trotz der punktgenauen Choreografien und gewohnten Professionalität der Altmeister hier und da textlich hakten. Das war die Authentizität, die ich persönlich sehen wollte - teilweise gefühlt eben noch wie mitten in der Probe.
Über das Set verteilt gab es 11 der 16 neuen Songs zu hören, darunter zwei größere Blöcke. Neben sofort gefeierten Selbstläufern wie der Thomas-D.-Nummer “Mantra”, dem großartig intonierten FastRap “Smudo In Zukunft”, und dem perfekten Schlußtrack “Was Wollen Wir Noch Mehr” wollten auch weniger eingängige Songs gespielt werden. Während das bombastelnde “Kaputt” ebenfalls schnell Freunde fand, hatten es “Die Lösung” und “Junge Trifft Mädchen” nicht ganz so leicht. Letzterer allerdings in der Live-Version deutlich stärker als auf dem Album. “Garnichsotoll” plätscherte für mich noch ein wenig vor sich hin, dafür hatte der Club bei “Dann Mach Doch Mal” eine neue Fanta-Hymne: “Jeder würd´es machen, wenn es einfach wär!”.
Gespielt wurde fast genau 2 Stunden. Am Premierentag zwei Tage zuvor hätten die Herren allerdings deutlich länger gespielt, verriet mir Jemand von der Garderobe. “Hömma, et gibt wohl immer wat zu meckern”, meinte eine dazugekommene Backstage-Maus gleich, und hatte natürlich Recht… Das neue Album gefällt mir super, es ist offener und experimentierfreudiger als sein Vorgänger “Fornika” - und den Shows der erfolgsgekrönten sprechsingenden Männer tun die neuen Stücke wirklich gut.
Der Festival-Sommer kann kommen!

Bericht: Jörg Buschka



Folklore 009

Erschienen im August 2009

Mensch, Kinder, schon wieder´n Jahr rum - am Wochenende bin ich erneutest auf dem Folklore-Festival-Gelände in Wiesbaden flaniert. Diesmal mit dem Focus auf Leute-Treffen anstatt Konzerte schauen. Das Besondere wie immer: die Mischung aus Jahrmarkt und Open Air Festival bietet angenehmes Flair für Einzelentdecker, kleine Gruppen, und eben auch ganze Familien. Neben dem offiziellen Programm hat das Zusammensein derart unterschiedlicher Besucher für mich vor allem seinen Charme durch die jungen Familien. Kinder, die einfach zufrieden spielen, nörgelnd um buntes Ökospielzeug von ´nem Stand betteln, oder applaudierend Spaß an einem der kindgerechten Bühnenprogramme haben. Meine Beobachtungen: der Freitagnachmittag begann für Festivalhungrige leider zunächst mit einer bösen langen Schlange am Einlaß. Da entstand - trotz aller guter Gesamtorga - ein Nadelör, über das sich Viele später genervt bei Drinks, leckeren Multi-Ethno-Snacks oder sensationellem Bio-Eis im Gespräch ausließen. Mißfallen über “zu viele kleine Stände” kann ich hingegen nicht verstehen; im Gegenteil: besonders der immer noch etwas stiefmütterlich besuchte Bereich hinter dem Schlachthof erstrahlte in diesem Jahr durch die schmucke Kleinkunst-Bühne (gut; da fand auch Poetry Slam statt, was ich persönlich weniger mag), einer Elektro-Area im kueschlischen Sand, ´ner Reihe weiterer kulinarischer Angebote, im Military-Look ausstaffierte Reggae-DJ-Turntables, sowie der Open-Stage-Kreativfabrik-Bühne in einem ganz neuen Licht. Die bauliche Veränderung des Geländes vorm Turm gefällt mir allerdings nicht. Fast schon stalinistisch tradiert anmutende, lange Betonklötze - treppenförmig angelegt - sollen zum Sitzen einladen (stattdessen Hämmorhoiden- und Blasenentzündungs-Gefahr). Was hat die Stadt da bloß angestellt? Gut, kann Folklore ja nix dafür. Fettes Brot habe ich mir am Abend auszugsweise angeschaut; Thema u.a. “Stasi 2.0″. Alles perfekt; Technik angenehm, Band in Hochform, Stimmung auf´m Platz! Die Hauptbühne stand dieses Jahr für das Gelände gesehen optimal - für die Stände am Eingang allerdings manchmal störend; gemütliches Flanieren litt teilweise unter der Lautstärke vom Konzert. Im Schlachthof selbst war ich kaum, weil mich persönlich - trotz des richtig (!) guten Musik-Angebots wie z.B. rumänischer Klezmer-Mucke aus Berlin - bei ´nem Open-Air-Festival eben eher das Außengelände reizt. Natürlich bietet sich logistisch die Kombi perfekt an. Bei ´ner Mini-Stippvisite in der Räucherkammer war´s mir zu stickig. Obwohl das Rauchen in solchen Bereichen inzwischen verboten ist - die Luft stand zu sehr und roch säuerlich nach allen Schweißsorten des Universums. Tolles Feature ´09: ein Erlebnis-”Flug” in einer krangehobenen Kabine bis hoch oben über der Hauptbühne. An der Neugestaltung des Geländes gefallen mir die beiden großen Sandflächen, die es flankieren. Eine als Kulisse der schon erwähnten Elektro-Area (samt Tipis), die Andere direkt hinter dem Eingang, ebenfalls von Tipis gesäumt. Im übrigen Jahr zum Beachvolleyball gedacht - mit entsprechender fester Pfosteninstallation. Da haben die Stadtväter mitgedacht! Ebenso bei den metallverstärkten Skaterblöcken in unmittelbarer Nachbarschaft.
Zurück zum Geschehen: nach Fettes Brot bot sich mir auf der großen Bühne eine Kabarettveranstaltung dar, die ich nicht verstand. Eine schwarze, über die ganze Bühne gezogene Wand, in deren Mitte sich eine weiße Tür befand. Daraus kamen lustig Personen mit schwarzen Koffern, gingen wieder hinein, änderten ihre Gangart, schlurften aneinander vorbei, oder standen zusammen und sangen russische Lieder. Als Kulisse zum lockeren Kennenlernen zweier aparter Eisenacher Damen erwies sich mir der Auftritt dann aber immerhin als hilfreich. Highlight am Samstag waren für mich auf der großen Bühne die Lokalmatadoren Frau Doktor, die im noch bei Tageslicht stattfindenden Vorprogramm von Mediengruppe Telekommander die Festivalmeute zum Springen brachten. Wagner Love habe ich leider verpaßt - zum Trost sehe ich die gut rockenden Jungs privat so ziemlich jedes Wochenende im Gestüt Renz. Die Mediengruppe mag isch net. Beastie-Boys auf Deutsch, gingen mir vor Jahren schon auf´n Keks, und so war´s auch dieses Jahr. Hab´in der Zeit am Newcomer-Stand von Clöeb und Fasan mit Kollegen und netten Partymäusen geplaudert, und Leckeres vom traditionellen Edel-Afghanen geknuspert. Danach auf der großen Bühne die Hammer-Lachshow von Maschek. Drei Jungs intonieren TV-Berichte neu, z.B. die Einweihung einer Halle durch den Papst samt “nachsynchronisiertem” Kinderchor. Klar ein Höhepunkt des Festivals. Das Trio Sorrentino ebenfalls der Knaller, und unterwegs auf de Gass Theater Gajes, eine Horde brüllend komischer szenemachender Holländer Stelzenläufer in schrägen Westernklamotten und die bezaubernden Pilze vom Theatre de la Toupine. Getränke-Muß: der leckere Club-Mate bei den Freunden vom Chaos Computer Club (nebbe de Kreativfabrik). Am Sonntag kam ich quasi zu spät. Um die große Bühne herum Rockabillies und Teds, Mussik von den Londonern Kitty, Daisy & Lewis. Stimmung weltklasse. Knappes Fazit: Musikprogramm (kann ich dieses Jahr kaum beurteilen; soweit ich´s mitbekommen habe aber:) vielfältig, also erfolgserprobt und auch genügend Neues (was viele riesige Straßenfeste wie das Darmstädter Schloßgrabenfest inzwischen nicht mehr haben; stattdessen nur totgeleiertes Coverzeugs). Gelände steriler und kühler durch die finale Gestaltung der Stadt Wiesbaden, allerdings schön belebt durch die neue Stände-Aufteilung der Folklore-Veranstalter. Auch im dritten Jahr nach Folklore im Garten kann das erweiterte Schlachthofgelände das Schloß Freudenberg für mich einfach nicht ersetzen, aber wenn es darum geht, hier durch Programmgestaltung und nach wie vor superfaire Eintrittspreise (kein Vergleich zum “elitär” gewordenen Open Ohr in Mainz) eine besondere, bunte Atmosphäre zum Wohlfühlen und Erleben zu schaffen (und das Ding war ja auch bis auf Sonntag wieder richtig gut besucht!), dann ist das 2009 wieder absolut gelungen!

Bericht: Jörg Buschka



Michael Jackson

Erschienen im Juni 2009

Michael Jackson war ein großer Teil meiner Jugend, und deshalb hat mich die Nachricht von seinem Tod schwer getroffen.
Ich war von 1988 bis 1999 auf insgesamt 13 seiner Konzerte (BAD-, DANGEROUS-, HIStory-Tour und MICHAEL JACKSON & FRIENDS), u.a. in Amsterdam, Kopenhagen und Prag. Auf dem Prager Eröffnungskonzert der HIStory-Welttournee 1996 z.B. habe ich Jackson mit 130.000 Fans live gefeiert.

Ich hatte schon so eine Ahnung, daß er die anstehende “Comeback”-Tour (die ja nur eine gezwungene Not-Einkunft war, um seine Schulden abzahlen zu können) vielleicht nicht überstehen würde, da er schon vor zehn Jahren bei Konzerten zusammengebrochen ist. Nun hat ihn die über-eiserne Disziplin, die ihm als 5jähriger schon sein Dad eingeprügelt hat, offenbar das Leben gekostet.

Bei meinen ersten MJ-Konzerten 1988 hatte ich noch keine Konzert-Erfahrung; sprich: nicht genug Wasser dabei, so daß ich zwar bei der Vor-Diva Kim Wilde noch ganz vorn stand, bei Jacksons Auftritt aber nach hinten gehen mußte. Dumm.
Später, ab der DANGEROUS-Tour ´92, packte ich dann schon “strategisch richtig” Proviant, und die richtigen Getränke zur richtigen Zeit (Anfangs beim Warten vor dem Stadion noch Wasser, weil man sich mit den anderen wartenden Fans absprechen konnte, das WC zu besuchen, ab Einlaß dann nur noch Saft und kleine Trinkpäckchen, die durch die Einlaßkontrolle kamen). Sprich: morgens um 5h vorm Einlaß warten (da, wo Andere sogar übernachteten), und ab 16h darauf gefaßt sein, daß mich ein Aufstehende-Menschen-Tsunami zum Einlaß peitscht. Die Drückerei war beim 130.000-Zuschauer-Konzert in Prag (ohne “Wellenfänger”-Absperrungen und “Pool Position”!!) sogar lebensgefährlich. Ich habe Rippenbrüche mitbekommen, mußte selbst 1997 mal mit einem Notarztwagen aus dem Kölner Stadion gebracht werden, weil ich beim Sturm auf den Innenraum mit dem Fuß umgeknickt war (bin NACH dem Konzert erst zum Arzt ;) ). Enge, Quetscherei, Hitze, viel “De-Eskalations-Taktiken” lernen, und immer wieder Anekdoten von anderen Fans mitbekommen. So fand das Konzert eigentlich den ganzen Tag über schon statt.

Viele Konzerte konnte ich aus der zweiten Reihe verfolgen, was unglaublich war, weil Jacksons energetische Moves besonders aus der Nähe eine wirkliche Attraktion waren. Allem voran natürlich der Moonwalk.
Manko: Seit der 1992er Tour sang Jackson immer weniger live. Mein alter MJ-Fan-Weggefährte Florian und ich waren dann 1996 bei der Premiere der HIStory-Tour umso enttäuschter, als es noch weniger live Gesungenes gab - stattdessen kitschige Bühnenshows mit einem blumentragenden Kind, das einen Panzer stoppt. Scheußlich. 1999 dann in München bei MICHAEL JACKSON & FRIENDS der Höhepunkt: Nach einem Mammut-Programm an Vorgruppen trat Jackson nur 45 Minuten auf, und lieferte ein enttäuschendes Programm. Eine Steigerung davon hatte ich für die geplante THIS-IS-IT-Tour in London befürchtet…

Dabei ist Michael Jackson ein wirklich guter Sänger gewesen, der auch ohne permanenten Kitsch seine Songs mal in einem “abgespeckteren” Umfeld hätte wirken lassen können.
Auf OFF THE WALL erlebt man m.E. den authentischsten Jackson, den man hören kann.
THRILLER war erfolgreich, und ich liebe das Album ebenfalls, aber es ist tausendmal totgemixt und wieder neu abgeschnubbelt worden… …OFF THE WALL klingt noch viel ursprünglicher. Obwohl man ehrlich sein muß: von Anfang an waren die JACKSON 5 und THE JACKSONS Massengeschmack. Dennoch klingen für mich Michael Jacksons Stimme und seine Ausdruckskraft durch den Wust an gefälligen Massenprodukten der Musikindustrie hindurch.

Skurril war für mich -ab 1996 spürbar- wie Jacksons Fan-Kult durch Marketing-Fuzzis vor den Stadien und vor seinen Hotels unnötig künstlich angeheizt wurde. Das war lächerlich, und er hat das m.E. gar nicht nötig gehabt.
An echten Fan-Momenten gab es wahrlich genug: ich erinnere mich an viele Situationen, wie Frauen weinend am Straßenrand gesessen und “wowww! Seine Augen! Ich habe ihn gesehen!!” gewimmert haben. Das war gruselig. Michael Jesus.
Aber ich habe auch selbst kräftig mitgemischt. in Amsterdam habe ich 1996 zusammen mit anderen Fans die Moves zu THEY DON´T CARE ABOUT US performt, und wurde dabei prompt vom King himself vom Hotelfenster aus gefilmt. In den Tagen lief ich zudem mit einem BAD-Schal um die Stirn gebunden durch die Stadt, tanzte vor irgendeiner TV-Kamera, und war ein Wochenende lang in ganz Holland bekannt, wurde von Passanten auf der Straße erkannt.
Damals bin ich auch MJs Manager Bob Jones begegnet, der mir auf meine Anfrage hin seine Visitenkarte REICHEN LIEß.
Zurück unter Jacksons Hotelfenster, wurde ich Zeuge, wie er “mystisch beschriebene” Stofftaschentücher aus dem Fenster warf, mit Zeilen wie “I cannot stick my head out of the window - the sun is my enemy”. Fans kloppten sich darum (ich bekam die Dinger nur kurzzeitig zu fassen), und ein auf seinem Fahrrad vorbeifahrender, lästernder “Anti-Fan” wurde von Jackson-Anhängern mitsamt Rad in einen Busch geworfen.
Und dann meine persönliche Ent-Ikonisierung: Nachdem ich filmreif mit vielen anderen Fans hinter Jacksons Auto hergelaufen war, gelang es mir, ihn beim Herauskommen aus dem Amsterdamer Madame Tussauds um den rechten Arm zu fassen. Ich bin also ein Zeuge: er war ein Mensch, kein Engel, keine Projektion, womöglich auch kein Außerirdischer. Dabei muß ich sowas gebrabbelt haben wie “Michael! Touch me!”. Seine “Antwort” in seinen schwarzen Mundschutz genuschelt: “No!!”. Man mag es “Unterhaltung” nennen… ;)

Vieles um die Mega-Figur Michael Jackson war mir immer suspekt, und ich kann nur ahnen, wie merkwürdig es gewesen sein muß, in seiner Haut zu stecken. Dann aber wieder gab es auch dann und wann richtig gute, tiefgreifende Interview-Momente mit ihm, in denen ich meine, seine wahre kreativ-schüchterne Natur durchblitzen gesehen zu haben. Ich hätte ihm gern einmal persönlich gesagt, daß seine Musik Substanz hat, auch ohne Show-Effekte zu begeistern. Sie begleitet mich nun schon seit 22 Jahren, und so wird es weitergehen.
Frieden für Dich, Michael Jackson!

Jörg



Archaisches aus Norwegen

Erschienen im April 2009

Wieder einmal habe ich was auf die Ohren bekommen…
Ganz zart haucht zu Beginn von Nils Petter Molvaers pressfrischem Neuling “Hamada” eine Trompete, die direkt von einem der Engel am Tor des Paradieses aufgenommen worden sein könnte… …doch dann wird schnell klar, daß ich mich mit diesem Album auf einer Achterbahnfahrt durch wohlig düstere Täler, das Mordor in mir selbst, eine Welt wie aus den EUROPA-Gruselkassetten der späten 70er Jahre befinde.
Ich habe Schwierigkeiten, das Ganze einzuordnen. Jedenfalls soll es Jazz sein. Herr Molvaer sei ein “Innovator des Europäischen Jazz”, erzählt mir die Presseinfo.
Das glaube ich gern - denn für mich klingt das alles zunächst GAR NICHT nach Jazz. Es ist progressiv, es driftet durch viele ganz unterschiedliche Klangschichten, hier und da fliegen WorldMusic-Elemente an meinem Ohr vorbei.

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Düster ist “Hamada”, aber dabei dennoch warm. So, als besuchte ich bloß einen alten Kumpel, der sich nun mal inzwischen dafür entschieden hat, sein Geld als Führer von Höllenhund-Schlitten zu verdienen, in denen es sich eigentlich ganz gemütlich fährt.
“Hamada” ist zwischenzeitlich sogar samtweich, und immer wieder funkeln winzige Tröpfchen Hoffnung aus musikalischem Tau auf der Oberfläche der Klangdecke in mein Bewußtsein.

Die einzelnen Stücke fließen wie warme Milch ineinander und durch mich hindurch, manchmal so, daß ich mir ein wenig den Mund an ihnen verbrenne.
Meine Assoziationen reichen Anfangs von Genesis über Marillion, Mike Oldfield, bis zu Sven Väth.
Molvaer greift tief in die Repertoirekiste.
Die musikalische Speisekarte bietet ein breites Spektrum - sogar die gute alte Hammond-Orgel und afrikanische Bongos sind dabei.
Im letzten Drittel wird es dann wirklich düster. Harte Gitarren und Drums treiben mir muffigen Kuttengeruch und beißendes Benzin in die Nase. Ich befinde mich in einem John-Carpenter-Film, in dem Rocker eine ganze Stadt abfackeln. Die Band aus Norwegen zaubert Irgendwas zwischen Dream Theatre und Nine Inch Nails. Was wohl mein alter Schulkumpel “Gülle” dazu sagen würde, der früher die Endzeit-Plattencover für “Morgoth” illustriert hat…?
Ein seltsam ansteckender musikalischer Totentanz, in dem immer wieder neue Tonstränge auftauchen und gleichzeitig andere in die Unendlichkeit abreißen. Mittendrin als Roter Faden eine Art “Trompete von Jericho”, die den Weg zu kennen scheint. Abgefahren!

molvaer1

Ab dem 17.04.09 werden Nils Petter Molvær (Trompete), Eivind Aarset (Gitarre) und Audun Kleive (Drums) mit dem Programm auf eine ausgedehnte Tournee gehen.

Nils Petter Molvaer Live in Deutschland:

17.04.09, Hamburg, Fabrik
20.04.09, Halle, Neue Oper
24.04.09, München, Ampere
25.04.09, Rüsselsheim, Theater
01.05.09, Wolfsburg, Autostadt
02.05.09, Rottweil, Alte Stallhalle
04.05.09, Mannheim, Alte Feuerwache
22.07.09, Kassel, Kulturzelt
26.07.09, Frankfurt, Gelände am Liebighaus
(mehr Daten im November)

Artistpage:http://www.nilspettermolvaer.de
Myspace-Profil:http://www.myspace.com/nilspettermolvaer

Bericht: Jörg Buschka
Fotos: Anja Basma



Witzisch waschen - Night Wash!

Erschienen im Dezember 2008

Et war am Wochenende zum zweiten Mal Comedy-Waschsalon
im schönen Walhalla-Theater in Wiesbaden angesagt :
NIGHT WASH ON TOUR!

Heino Trusheim, der schon im Oktober als Comedian mit dabei
gewesen war, und zum Schluß mit einem Scherz über rauchende
Schuhe an einer Bushaltestelle zynische Akzente gesetzt hatte,
moderierte mit einer Mischung aus einstudierten Gags über voll-
gepackte Teller am AIDA-Clubschiff-Buffett, das Singlesein, Live-
Sex-Nummern auf der Reeperbahn, seine Prostata-Untersuchung,
und sarkastisch-liebevollem Publikums- Smalltalk. Letzterer na-
türlich immer schön mit Zuckerbrot und Peitsche. So fiel er einer
sehr extrovertierten Dame aus der ersten Reihe nach einem kur-
zen, netten Verbal-Austausch mit ihr dem Publikum zugewandt
in den Rücken: “Sie redet immer noch!”, und verarschte ein Pär-
chen, indem er nach dessen freudigem “Lagebericht”, schon
10 Jahre zusammen zu sein, zwei Gläser Sekt kommen ließ, die
er dann aber zusammen mit Comedy-Kollegen Matthias Jung
leerte. Unter seinen StandUp-Einlagen war z.B. eine fiktive Situ-
ationsbeschreibung, wie er sich mit seiner (fast-) Glatze im Zug
zwischen einer Horde Skinheads frisurentechnisch zwar fast “wohl-
gefühlt” habe - dann aber unbemerkt “so schnell wie noch nie”
seinen Döner habe aufessen und auf eine Nachfrage hin behaupten
müssen, das Weiße an seinen Mundwinkeln sei “Deutscher Frisch-
käse”.

Johannes Flöck erzählte von den Problemen ab 40, vom schmerz-
haften Besuch bei einer Kosmetikerin, von der potentiellen
“Terrorwirkung” Ätherischer Öle, vom Erwischtwerden beim Ona-
nieren, und von einem Besuch auf einem Hip-Hop-Konzert mit sei-
nem kleinen Neffen, bei dem er am Ende mit einer selbstimprovi-
sierten Sprechgesangs-Einlage dem gesamten Publikum auf die
Nerven geht.

Matthias Jung - über den ich 2003 einen TV-Beitrag für den SWR
realisiert habe, um den Running Gag wieder einzubringen - berich-
tete noch immer von seiner “Mission” als Bürger des kleinen Huns-
rück-Dörfleins Hüffelsheim, z.B. in Verbindung mit einem von der
Überschaubarkeit des Ortes angenervten Navis. Von dieser Basis
ausgehend, erkundet Matthias Jung die Welt. Er entdeckt Spannen-
des im Bioladen, pinkelt am mit einem kleinen Plastiktor veredelten
Pissoir “Flanken” und “Doppelpässe” zu seinen Nachbarn rüber, oder
kauft sich anstelle einer teuren Klobenutzung zu 2 Euro lieber gleich
eine neue Hose bei Kik, die noch billiger ist. Er erzählte außerdem
von seinem erfolglosestem Auftritt vor nur einem Pärchen, von dem
er danach erfuhr, daß es nur zugeschaut habe, weil er ihr Auto ein-
geparkt hatte, und berichtete von seiner Erfahrung mit Kontaktan-
zeigen, und wie ihn seine Mutter beim Speeddating begleitete.

Gewohnt kindhaft nölend und albern - aber zugleich mit schlauen
Texten - Gitarre spielend und Geschichten zum besten gebend, leg-
te sich Night-Wash-Altstar der ersten Stunde, Moses W., in Wiesba-
den ins Zeug. Darunter gleich drei Varianten des “Wir sind Helden”-
Songs “Nur ein O”. Storymaßig gab´s vor allem Phantasien über
Naßrasierer der Superlative - von der Geschichte des “Kampfes zwi-
schen Gilette und Wilkinson” über eklige Gleitstreifen und batteriebe-
triebene Turbo-Naßrasierer bis hin zum “Gilette-Cinquecento-500-
Klingen-Rasierer”-Monster der Zukunft.

Die derbsten Sprüche des Abends legte eindeutig der Südhesse und
frischgekürte Träger des Bremer Comedypreises, Michael Eller, auf
den “Tisch”. Nichts blieb verschont - vom schwulen Visagisten Svenny
über nervige, shoppende Jugendliche, Zahncreme-Sorten, Damenbinden,
Kettcar- und Bonanzarad-Fahren contra Playstation, und die Gossen-
Sprache in Offenbach, bis zum SaniFair-Klo, das den erleichterten
Autofahrer beim Wasserlassen mit Werbe-Angeboten für KAGO-Kachel-
öfen versorgt.

Fazit: Viele Kracher und gute Unterhaltung für einen fairen Eintrittspreis!
Seit Knacki Deusers´ NIGHT WASH traurigerweise vom WDR-Schirm ver-
schwunden ist (zu Comedy Central, den ich nicht empfange), vermisse ich
das Format sehr. Es ist seit dem Jahr 2000 DAS Newcomer-Comedy-
Format, und die Möglichkeit, eine solche Mischung aus alten Hasen und (durch eine strenge Vorauswahl gekommenen) Neuen Talenten nun live on
Tour sehen zu können, ist großartig!

Hier gibt´s konkrete Infos, wann die wechselnde Comedy-Truppe auch in
Ihrer Stadt gastiert!

Bericht: Jörg Buschka
Fotos: Silke Bartsch



Buschka entdeckt Afrika!

Erschienen im Dezember 2008

Als ich im Rahmen meines Studiums meine ersten Filmprojekte realisierte, gab es da einen Lehrbeauftragten Roland, der mich wegen der geringsten Kleinigkeiten zusammengsch… hat. Kabel falsch zusammengelegt, blöde Frage gestellt (da würde ich heutzutage ja ständig eins drüber kriegen ;)) - zack! Aber Roland hat der Welt auch Gutes getan… …er arbeitete u.a. als Projektmanager für den Künstler und Roncalli-Mitgründer André Heller, für dessen Projekte er Studenten rekrutierte. Hellers Projekte sind manchmal erstaunlich “greifbar” und geradezu “praktisch” angelegt wie der begehbare WM-Fußball 2006, aber sie sind oft auch Ausflüge in die Fantasie und die Urbereiche des menschlichen Erlebens. 2005 feierte in Frankfurt am Main das faszinierende Zirkus- und Musikprojekt “Afrika! Afrika!” Premiere - und genau dort habe ich mir letztes Wochenende die Hallenversion in der Festhalle angeschaut.

Eines ist vorweg zu sagen: die positiven Kritiken überschlagen sich nicht ohne Grund! Auf der Hallentour gibt es in Deutschland nun letztmalig die Chance, eine so noch nie dagewesene Mischung aus musicalartig arrangierter afrikanischer Musik und den besten Artisten des Schwarzen Kontinents live zu erleben.
Unter der Leitung von William Ramsay und mit dem gesanglichen Charme und der Power der Solosängerin Ntombifuthi Pamella Mhlongo präsentieren ausschließlich afrikanische Musiker ein großes Programm energiegeladender Stücke - kraftvoll, herzlich und authentisch, und gleichzeitig als Show auf die Bühne abgestimmt.
Die über zweistündige Show mit 150 Künstlern aus allen Teilen Afrikas besticht durch ein Feuerwerk an Lebensfreude und erlesenen Darbietungen, die nicht nur locker mit internationalen Zirkusproduktionen “mithalten” können, sondern dabei eben auch reichlich exotische Komponenten beinhalten, und teilweise weltweit einzigartige Highlights sind.
Die feste, an ein afrikanisches Steppendorf erinnernde Bühnendeko aus Bambus, Bast und traditionellen grafischen Zeichendekors, gemischt mit unzähligen nummernspezifischen, blitzschnell ausgetauschten Elementen bis hin zu wie Palmen fungierenden Stangen und einem amerikanischen Basketballfeld, korrespondiert perfekt mit den fast minütlich wechselnden, üppig ausgestatteten Tanzgruppen, von denen mir selbstredend die verführerisch popowackelnden Ladies mit ihren urtümlichen Tänzen in Erinnerung bleiben werden - hübsche Gazellen, die beim Popo-Präsentieren energisch und blitzschnell abwechselnden Fußes auf den Boden “stampften”.

Die Künstler kommen z.T. aus afrikanischen und internationalen Zirkusschulen, wurden aber auch “von der Straße weg” und nach Castings in Afrika von Hellers Talentscouts engagiert.

Leider klebte das Frankfurter Publikum weitestgehend auf seinen Plätzen, was der tollen Show keinen Abbruch tat. Schade nur, wo es doch - wie mir eine Vertreterin des Veranstalters mitteilte - z.B. in Luxemburg die Menschen fast ausschließlich von den Stühlen gerissen hat. Über der wie eine große Hütte arrangierten Hauptbühne, um die herum sich die meisten der Musiker befanden, gab es auf drei Monitoren jeweils passende Grafiken und Animationen zu sehen.
Eine der beeindruckendsten Nummern waren für mich die Menschenpyramiden aus Gabun und Tansania.
Die Gabuner-Pyramiden “stürzten” schließlich aufeinander-zu-fallend regelrecht ineinander zusammen - was nicht nur mir einen gehörigen Schrecken versetzte.

Neben der besagten klassischen Jonglage-Nummer wurden auch Keulen und sogar ganze Tische (nur von Füßen bewegt) jongliert.

Und obwohl die in dieser Show dargebotene Contorsion die beste ist, die ich bis dato erleben durfte, mußte ich ein paar mal wegschauen. Frau Buthelezi aus Südafrika schaffte es tatsächlich, sich wie ein Korkenzieher auch noch seitlich zu verdrehen, daß es einem Angst und Bange wurde. Wie mir der Veranstalter mitteilte, haben die Kollegen von “Planetopia” mit ihr Aufnahmen im CT durchgeführt, die belegen sollen, daß die Künstlerin bisher noch keine bleibenden Schäden davonträgt.

Und wieder Menschenpyramiden. Toll anzuschauen, wie aus einem herrlichen “Gewusel” auf den Punkt gebrachte, exakte Positionen entstanden.

Die “Stangenmenschen” aus Tansania und Südafrika kletterten blitzschnell - teils sogar zur Musik rhythmisch choreografiert - metallene “Palmen” hoch und herunter, sprangen in schwindelnder Höhe kopfüber von Stange zu Stange, und boten dazu noch einen beeindruckenden Formationstanz.

Neben den Basketball-spielenden Einradfahrern durfte vor allem die richtig gute Breakdance-Nummer nicht fehlen! Denn: was wären die Tanzszene der Bronx und die unzähligen Hip-Hop-Formationen in Musikvideos ohne die afrikanischen Einwanderer? Was wäre Michael Jackson in den 80ern ohne seine Vorbilder von der Straße gewesen?

Die Zeltvariante habe ich leider nicht kennengelernt - und so ist mir als einziger Wermutstropfen in der Hallenversion aufgefallen, daß (zumindest in der Frankfurter Festhalle) die hintersten Plätze so weit weg von der Bühne platziert waren, daß z.B. die Jonglage-Nummer mit Bällen wohl nicht mit bloßem Auge erlebbar gewesen sein wird. Die Monitore lieferten leider keine Übertragung der Show - was den entfernter sitzenden Zuschauern bei einigen Einlagen zugute gekommen wäre. Die meisten Darbietungen setzten aber auf Ensembles, die auch von Weitem gut sichtbar gewesen sein dürften. Darunter auch die als Gesamtarrangement am besten erlebbare Stepp-Darbietung aus Südafrika, die eindrucksvoll auf den Kreislauf der “Blutdiamanten” aufmerksam machte: Zwei in edle Smokings gekleidete Lords führen dabei eine Gruppe Tänzer an, die wie Arbeiter aus einer Diamantenmine gekleidet sind.

Meine Lieblingsnummer war eindeutig die “Wasserexzentrik” und Topfjonglage von John Kwaku Amamoo. Er jonglierte zunächst auf einem aufgespannten Regenschirm eine kleine runde Wanne, und spie dann Wasser in die Luft, das - durch den Aufprall im Gefäß und durch die Drehung rasch verteilt - wieder über ihm herunterregnete. Doch damit nicht genug: gemütlich auf dem Boden sitzend, reichte ihm seine bezaubernde Assistentin Yaa Stéphanie Oppong Wanne um Wanne, die er an kleinen Stangen an seinen Schuhen, aus seinem Mund, in den Händen etc. ständig in freischwebender Drehbewegung hielt. Die mir vorliegenden Fotos zeigen sieben dieser Wannen in gleichzeitiger Bewegung, aber ich bilde mir ein, daß er es sogar auf 10 Stück (!) gebracht hat! Wahnsinn!

Natürlich kann ich hier nur einen kleinen Ausschnitt der vielen Darbietungen wiedergeben.
Grandios dann auch das Finale, bei dem nochmal alle Teilnehmer zusammen auf der Bühne fahnenschwingend tanzten und “herumwirbelten”. Einige strömten sogar ins Publikum - in dem Moment verschwand selbst der Frankfurter “Stock im Arsch”, die Zuschauer standen auf, und drängten vor die Bühne! Wie muß die Show also erst sein, wenn das die ganze Veranstaltung über passiert?

Wow! Was für ein Abend! Mir persönlich hätte die Musik bloß noch etwas urtümlicher arrangiert werden können (was den Kostümen und dem Design auf ganzer Breite gelang). In Passagen mit original belassenen Traditionals fühlte ich mich tatsächlich in eine andere Welt versetzt - doch dann klang vieles doch wieder sehr am europäischen Geschmack orientiert - bis hin zu Interpretationen bekannter Stücke mit leicht afrikanischem Einschlag. Die kraftvolle Musik, exzellente Artistik von sichtlich lebenslustigen Menschen, und mitreißende Tanznummern - und immer wieder dieses herrliche, ansteckende “Stampfen” - haben mir tatsächlich für ein paar Stunden das geschenkt, was der Veranstalter am Schluß den Zuschauern per Monitor wünscht: ein fröhliches Herz!

Die sensationelle Hallentour ist noch bis zum 8. März in Deutschland unterwegs.
Infos gibt´s auf der Offiziellen Website

Bericht: Jörg Buschka
Fotos: Katrin Kaufmann, Sabina Sarnitz



Akopalüze nau!!!

Erschienen im November 2008

Am Wochenende trat Helge Schneider mit seinem Dauerbrenner-Programm “Akopalüze nau!!!” in der Mainzer Phönixhalle auf. Als regelmäßiger Gast bei Helges Live-Aktivitäten seit zehn Jahren für mich ein selbstverständliches Abendvergnügen der ganz großen Art! Zusammen mit Freund und Fotograf Marcus nutzte ich die Gelegenheit, meinem “Godfather des deutschen Hörspiels” die Ehre zu erweisen.
Gleich zu Beginn gab Helge ein Saxophon-Solo zum Besten. Ganz Jazz-Musiker, im schwarzen Anzug, mit Hornbrille und gewohnt “schickem” Seitenscheitel. Der Dresscode sollte den Abend bestimmen - die bunten “Chaos-Klamotten” blieben diesmal im Schrank. Neben seiner hochkarätigen Jazzband, bestehend aus Pete York (Schlagzeug), Sandro Giampietro (Gitarre), und Rudi Olbrich (Bass und Tuba), hatte Helge auch wieder den Bongo-spielenden und wild tanzenden Langbart Sergej Gleithman und seinen Zweitstimmen-Begleiter, Tee-Kredenzer und ebenfalls Bongo-Spieler Bodo Österling im Gepäck.

Nach wiederholtem Dank und Verabschiedungen gleich zu Anfang, feuerten Helge und seine Jungs ein charmeerprobt-sensationelles Kulturprogramm aus Musik und vorgetragenen Geschichten auf den ausverkauften Bespaßungsort ab. Zu “Meine Supermaus” ließ Helge dann endlich den Wahnsinn raus, und nahm sich danach ausgiebig Zeit, um darüber zu philosophieren, wie die Erdkugel so im All “festgemacht” ist, damit sie nicht an ihrer Achse “nach unten rausrutscht”.
Zwischendurch gab´s immer wieder Tee von Bodo - diesmal eine köstliche “Zitrone-Zitrone”-Mischung.

Bodo Österling durfte sich auch an Kastagnetten verausgaben, und die Zweite Stimme bei “Katzeklo” geben, zu dem Helge eine tolle “Pantomime” hinlegte.
Absurde, teilweise improvisierte Geschichten (wie Helges Anekdote vom gebannten Mithören des “Konzerts” von Pantomime Marcel Marceau vor einer Halle) wechselten sich mit Hits und neu arrangierten Schneider-Klassikern ab. Außer einem Panflöten-”Fake” zum Schluß spielte Helge selbst fast alle Instrumente durch - vom Sax über sein Piano bis zur E-Gitarre und heißes Blech zum skurrilen “Trompeten von Mexico” (zu denen er ein perfektes Pseudo-Spanisch präsentierte).
Highlights waren die durch Solo-Einlagen gestreckte Hammer-Version vom “Telefonmann”, das “Duett” mit Udo Lindenberg, den Helge bekanntermaßen so geil imitiert, als säße er neben ihm am Piano, und auch das ausdauernde Drum-Solo von Pete York, der schon mit Größen wie Eberhard Schoener, Deep Purple, Chris Barber und Klaus Doldinger gespielt hat.
Und natürlich immer wieder Helge Schneider am Piano. Ob bei “Quatsch” oder “echtem”, ernstem Jazz.

Und immer wieder Helges Meta-Ebenen-Monologe wie z.B. über das sich dem Ende nähernde Programm, und vom Scheitelkämmen begleitete Begründungen, man müsse als Star stets super aussehen, da man ja von anderen Stars “beobachtet” werde. Schneider steckt neben seinem musikalischen Repertoire und den bis ins Detail banalisierten Situations-Beschreibungen der besonderen Art sein Publikum besonders damit an, daß er sehr oft über seinen “eigenen Scheiß” lachen muß - sein Markenzeichen schon seit grauesten Anfängen im “Pott”.
Es gab in Mainz natürlich auch reichlich was für´s Auge: “Blaurusse” Gleithman gab sich zu den Stücken mal als Begleitmusiker, mal als wild wuselnder Gymnastik-Tänzer. Zu “Hercules” stemmte er dann showträchtig zwei winzige schwarze Hanteln, die sich - seiner Mimik nach zu urteilen - in seinen Händen zu tonnenschweren Gewichten zu verwandeln schienen.
Einzige kleine Schwachstelle des großartig kurzweiligen Programms war für mich zum Schluß Helges Story vom Zusammentreffen eines Pekinesen- und eines Wespen-Besitzers (der das gute Tier von einer Fliegenklatsche gerettet hatte), die mich nicht so richtig “mitreißen” wollte.
Doch das war schnell vergessen, weil ich den Meister nach seinem Auftritt endlich mal persönlich treffen durfte. Ich erzählte Helge etwas von meinem Internet-Projekt und dem geplanten neuen (TV-) Format, und berichtete davon, daß Marcus und ich vor allem seine alten Hörspiele lieben. Auf meine Fan-”Reklamation”, “Meisenmann” habe diesmal gefehlt, warf Helge diplomatisch-weltmännisch ein: “Hm - das kann ich ja vielleicht mal wieder spielen..!”. Für mich ein ganz besonderes Treffen …ganz ohne “witziges Gequatsche” meinerseits.


Altmeister Helge und meine Wenigkeit wie zwei Hirten auf dem Felde, die den Stern von Betlehem bestaunen…

Bericht: Jörg Buschka
Fotos: Marcus Michaelis



Buschka Maps

Erschienen im November 2008

Seit heute ist Buschka entdeckt Deutschland auch bei Google-Maps vertreten - Hier sieht man alle bisher entdeckten Städte in geografischer Übersicht, inkl. Links zu den einzelnen Folgen hier im Blog.