Buschka entdeckt Deutschland

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Buschka entdeckt Afrika!

Erschienen im Dezember 2008

Als ich im Rahmen meines Studiums meine ersten Filmprojekte realisierte, gab es da einen Lehrbeauftragten Roland, der mich wegen der geringsten Kleinigkeiten zusammengsch… hat. Kabel falsch zusammengelegt, blöde Frage gestellt (da würde ich heutzutage ja ständig eins drüber kriegen ;)) - zack! Aber Roland hat der Welt auch Gutes getan… …er arbeitete u.a. als Projektmanager für den Künstler und Roncalli-Mitgründer André Heller, für dessen Projekte er Studenten rekrutierte. Hellers Projekte sind manchmal erstaunlich “greifbar” und geradezu “praktisch” angelegt wie der begehbare WM-Fußball 2006, aber sie sind oft auch Ausflüge in die Fantasie und die Urbereiche des menschlichen Erlebens. 2005 feierte in Frankfurt am Main das faszinierende Zirkus- und Musikprojekt “Afrika! Afrika!” Premiere - und genau dort habe ich mir letztes Wochenende die Hallenversion in der Festhalle angeschaut.

Eines ist vorweg zu sagen: die positiven Kritiken überschlagen sich nicht ohne Grund! Auf der Hallentour gibt es in Deutschland nun letztmalig die Chance, eine so noch nie dagewesene Mischung aus musicalartig arrangierter afrikanischer Musik und den besten Artisten des Schwarzen Kontinents live zu erleben.
Unter der Leitung von William Ramsay und mit dem gesanglichen Charme und der Power der Solosängerin Ntombifuthi Pamella Mhlongo präsentieren ausschließlich afrikanische Musiker ein großes Programm energiegeladender Stücke - kraftvoll, herzlich und authentisch, und gleichzeitig als Show auf die Bühne abgestimmt.
Die über zweistündige Show mit 150 Künstlern aus allen Teilen Afrikas besticht durch ein Feuerwerk an Lebensfreude und erlesenen Darbietungen, die nicht nur locker mit internationalen Zirkusproduktionen “mithalten” können, sondern dabei eben auch reichlich exotische Komponenten beinhalten, und teilweise weltweit einzigartige Highlights sind.
Die feste, an ein afrikanisches Steppendorf erinnernde Bühnendeko aus Bambus, Bast und traditionellen grafischen Zeichendekors, gemischt mit unzähligen nummernspezifischen, blitzschnell ausgetauschten Elementen bis hin zu wie Palmen fungierenden Stangen und einem amerikanischen Basketballfeld, korrespondiert perfekt mit den fast minütlich wechselnden, üppig ausgestatteten Tanzgruppen, von denen mir selbstredend die verführerisch popowackelnden Ladies mit ihren urtümlichen Tänzen in Erinnerung bleiben werden - hübsche Gazellen, die beim Popo-Präsentieren energisch und blitzschnell abwechselnden Fußes auf den Boden “stampften”.

Die Künstler kommen z.T. aus afrikanischen und internationalen Zirkusschulen, wurden aber auch “von der Straße weg” und nach Castings in Afrika von Hellers Talentscouts engagiert.

Leider klebte das Frankfurter Publikum weitestgehend auf seinen Plätzen, was der tollen Show keinen Abbruch tat. Schade nur, wo es doch - wie mir eine Vertreterin des Veranstalters mitteilte - z.B. in Luxemburg die Menschen fast ausschließlich von den Stühlen gerissen hat. Über der wie eine große Hütte arrangierten Hauptbühne, um die herum sich die meisten der Musiker befanden, gab es auf drei Monitoren jeweils passende Grafiken und Animationen zu sehen.
Eine der beeindruckendsten Nummern waren für mich die Menschenpyramiden aus Gabun und Tansania.
Die Gabuner-Pyramiden “stürzten” schließlich aufeinander-zu-fallend regelrecht ineinander zusammen - was nicht nur mir einen gehörigen Schrecken versetzte.

Neben der besagten klassischen Jonglage-Nummer wurden auch Keulen und sogar ganze Tische (nur von Füßen bewegt) jongliert.

Und obwohl die in dieser Show dargebotene Contorsion die beste ist, die ich bis dato erleben durfte, mußte ich ein paar mal wegschauen. Frau Buthelezi aus Südafrika schaffte es tatsächlich, sich wie ein Korkenzieher auch noch seitlich zu verdrehen, daß es einem Angst und Bange wurde. Wie mir der Veranstalter mitteilte, haben die Kollegen von “Planetopia” mit ihr Aufnahmen im CT durchgeführt, die belegen sollen, daß die Künstlerin bisher noch keine bleibenden Schäden davonträgt.

Und wieder Menschenpyramiden. Toll anzuschauen, wie aus einem herrlichen “Gewusel” auf den Punkt gebrachte, exakte Positionen entstanden.

Die “Stangenmenschen” aus Tansania und Südafrika kletterten blitzschnell - teils sogar zur Musik rhythmisch choreografiert - metallene “Palmen” hoch und herunter, sprangen in schwindelnder Höhe kopfüber von Stange zu Stange, und boten dazu noch einen beeindruckenden Formationstanz.

Neben den Basketball-spielenden Einradfahrern durfte vor allem die richtig gute Breakdance-Nummer nicht fehlen! Denn: was wären die Tanzszene der Bronx und die unzähligen Hip-Hop-Formationen in Musikvideos ohne die afrikanischen Einwanderer? Was wäre Michael Jackson in den 80ern ohne seine Vorbilder von der Straße gewesen?

Die Zeltvariante habe ich leider nicht kennengelernt - und so ist mir als einziger Wermutstropfen in der Hallenversion aufgefallen, daß (zumindest in der Frankfurter Festhalle) die hintersten Plätze so weit weg von der Bühne platziert waren, daß z.B. die Jonglage-Nummer mit Bällen wohl nicht mit bloßem Auge erlebbar gewesen sein wird. Die Monitore lieferten leider keine Übertragung der Show - was den entfernter sitzenden Zuschauern bei einigen Einlagen zugute gekommen wäre. Die meisten Darbietungen setzten aber auf Ensembles, die auch von Weitem gut sichtbar gewesen sein dürften. Darunter auch die als Gesamtarrangement am besten erlebbare Stepp-Darbietung aus Südafrika, die eindrucksvoll auf den Kreislauf der “Blutdiamanten” aufmerksam machte: Zwei in edle Smokings gekleidete Lords führen dabei eine Gruppe Tänzer an, die wie Arbeiter aus einer Diamantenmine gekleidet sind.

Meine Lieblingsnummer war eindeutig die “Wasserexzentrik” und Topfjonglage von John Kwaku Amamoo. Er jonglierte zunächst auf einem aufgespannten Regenschirm eine kleine runde Wanne, und spie dann Wasser in die Luft, das - durch den Aufprall im Gefäß und durch die Drehung rasch verteilt - wieder über ihm herunterregnete. Doch damit nicht genug: gemütlich auf dem Boden sitzend, reichte ihm seine bezaubernde Assistentin Yaa Stéphanie Oppong Wanne um Wanne, die er an kleinen Stangen an seinen Schuhen, aus seinem Mund, in den Händen etc. ständig in freischwebender Drehbewegung hielt. Die mir vorliegenden Fotos zeigen sieben dieser Wannen in gleichzeitiger Bewegung, aber ich bilde mir ein, daß er es sogar auf 10 Stück (!) gebracht hat! Wahnsinn!

Natürlich kann ich hier nur einen kleinen Ausschnitt der vielen Darbietungen wiedergeben.
Grandios dann auch das Finale, bei dem nochmal alle Teilnehmer zusammen auf der Bühne fahnenschwingend tanzten und “herumwirbelten”. Einige strömten sogar ins Publikum - in dem Moment verschwand selbst der Frankfurter “Stock im Arsch”, die Zuschauer standen auf, und drängten vor die Bühne! Wie muß die Show also erst sein, wenn das die ganze Veranstaltung über passiert?

Wow! Was für ein Abend! Mir persönlich hätte die Musik bloß noch etwas urtümlicher arrangiert werden können (was den Kostümen und dem Design auf ganzer Breite gelang). In Passagen mit original belassenen Traditionals fühlte ich mich tatsächlich in eine andere Welt versetzt - doch dann klang vieles doch wieder sehr am europäischen Geschmack orientiert - bis hin zu Interpretationen bekannter Stücke mit leicht afrikanischem Einschlag. Die kraftvolle Musik, exzellente Artistik von sichtlich lebenslustigen Menschen, und mitreißende Tanznummern - und immer wieder dieses herrliche, ansteckende “Stampfen” - haben mir tatsächlich für ein paar Stunden das geschenkt, was der Veranstalter am Schluß den Zuschauern per Monitor wünscht: ein fröhliches Herz!

Die sensationelle Hallentour ist noch bis zum 8. März in Deutschland unterwegs.
Infos gibt´s auf der Offiziellen Website

Bericht: Jörg Buschka
Fotos: Katrin Kaufmann, Sabina Sarnitz



Akopalüze nau!!!

Erschienen im November 2008

Am Wochenende trat Helge Schneider mit seinem Dauerbrenner-Programm “Akopalüze nau!!!” in der Mainzer Phönixhalle auf. Als regelmäßiger Gast bei Helges Live-Aktivitäten seit zehn Jahren für mich ein selbstverständliches Abendvergnügen der ganz großen Art! Zusammen mit Freund und Fotograf Marcus nutzte ich die Gelegenheit, meinem “Godfather des deutschen Hörspiels” die Ehre zu erweisen.
Gleich zu Beginn gab Helge ein Saxophon-Solo zum Besten. Ganz Jazz-Musiker, im schwarzen Anzug, mit Hornbrille und gewohnt “schickem” Seitenscheitel. Der Dresscode sollte den Abend bestimmen - die bunten “Chaos-Klamotten” blieben diesmal im Schrank. Neben seiner hochkarätigen Jazzband, bestehend aus Pete York (Schlagzeug), Sandro Giampietro (Gitarre), und Rudi Olbrich (Bass und Tuba), hatte Helge auch wieder den Bongo-spielenden und wild tanzenden Langbart Sergej Gleithman und seinen Zweitstimmen-Begleiter, Tee-Kredenzer und ebenfalls Bongo-Spieler Bodo Österling im Gepäck.

Nach wiederholtem Dank und Verabschiedungen gleich zu Anfang, feuerten Helge und seine Jungs ein charmeerprobt-sensationelles Kulturprogramm aus Musik und vorgetragenen Geschichten auf den ausverkauften Bespaßungsort ab. Zu “Meine Supermaus” ließ Helge dann endlich den Wahnsinn raus, und nahm sich danach ausgiebig Zeit, um darüber zu philosophieren, wie die Erdkugel so im All “festgemacht” ist, damit sie nicht an ihrer Achse “nach unten rausrutscht”.
Zwischendurch gab´s immer wieder Tee von Bodo - diesmal eine köstliche “Zitrone-Zitrone”-Mischung.

Bodo Österling durfte sich auch an Kastagnetten verausgaben, und die Zweite Stimme bei “Katzeklo” geben, zu dem Helge eine tolle “Pantomime” hinlegte.
Absurde, teilweise improvisierte Geschichten (wie Helges Anekdote vom gebannten Mithören des “Konzerts” von Pantomime Marcel Marceau vor einer Halle) wechselten sich mit Hits und neu arrangierten Schneider-Klassikern ab. Außer einem Panflöten-”Fake” zum Schluß spielte Helge selbst fast alle Instrumente durch - vom Sax über sein Piano bis zur E-Gitarre und heißes Blech zum skurrilen “Trompeten von Mexico” (zu denen er ein perfektes Pseudo-Spanisch präsentierte).
Highlights waren die durch Solo-Einlagen gestreckte Hammer-Version vom “Telefonmann”, das “Duett” mit Udo Lindenberg, den Helge bekanntermaßen so geil imitiert, als säße er neben ihm am Piano, und auch das ausdauernde Drum-Solo von Pete York, der schon mit Größen wie Eberhard Schoener, Deep Purple, Chris Barber und Klaus Doldinger gespielt hat.
Und natürlich immer wieder Helge Schneider am Piano. Ob bei “Quatsch” oder “echtem”, ernstem Jazz.

Und immer wieder Helges Meta-Ebenen-Monologe wie z.B. über das sich dem Ende nähernde Programm, und vom Scheitelkämmen begleitete Begründungen, man müsse als Star stets super aussehen, da man ja von anderen Stars “beobachtet” werde. Schneider steckt neben seinem musikalischen Repertoire und den bis ins Detail banalisierten Situations-Beschreibungen der besonderen Art sein Publikum besonders damit an, daß er sehr oft über seinen “eigenen Scheiß” lachen muß - sein Markenzeichen schon seit grauesten Anfängen im “Pott”.
Es gab in Mainz natürlich auch reichlich was für´s Auge: “Blaurusse” Gleithman gab sich zu den Stücken mal als Begleitmusiker, mal als wild wuselnder Gymnastik-Tänzer. Zu “Hercules” stemmte er dann showträchtig zwei winzige schwarze Hanteln, die sich - seiner Mimik nach zu urteilen - in seinen Händen zu tonnenschweren Gewichten zu verwandeln schienen.
Einzige kleine Schwachstelle des großartig kurzweiligen Programms war für mich zum Schluß Helges Story vom Zusammentreffen eines Pekinesen- und eines Wespen-Besitzers (der das gute Tier von einer Fliegenklatsche gerettet hatte), die mich nicht so richtig “mitreißen” wollte.
Doch das war schnell vergessen, weil ich den Meister nach seinem Auftritt endlich mal persönlich treffen durfte. Ich erzählte Helge etwas von meinem Internet-Projekt und dem geplanten neuen (TV-) Format, und berichtete davon, daß Marcus und ich vor allem seine alten Hörspiele lieben. Auf meine Fan-”Reklamation”, “Meisenmann” habe diesmal gefehlt, warf Helge diplomatisch-weltmännisch ein: “Hm - das kann ich ja vielleicht mal wieder spielen..!”. Für mich ein ganz besonderes Treffen …ganz ohne “witziges Gequatsche” meinerseits.


Altmeister Helge und meine Wenigkeit wie zwei Hirten auf dem Felde, die den Stern von Betlehem bestaunen…

Bericht: Jörg Buschka
Fotos: Marcus Michaelis



Buschka Maps

Erschienen im November 2008

Seit heute ist Buschka entdeckt Deutschland auch bei Google-Maps vertreten - Hier sieht man alle bisher entdeckten Städte in geografischer Übersicht, inkl. Links zu den einzelnen Folgen hier im Blog.



Artistische Frauenpower

Erschienen im November 2008

Nach unserem Special vor zwei Jahren fand jetzt am Wochenende die neue Runde des “European Youth Circus” Artistik-Festivals in Wiesbaden statt. Von 130 Bewerbungen aus 18 europäischen Ländern schafften es schließlich 25 Darbietungen in das exklusive Wettbewerbs-Programm.
Ich habe mir sowohl die beiden Wettbewerbe A und B als auch die Gala angeschaut. Wieder lag Zirkusluft in der ganzen Stadt, und am Sonntagmorgen gab es wie gewohnt den ökumenischen Gottesdienst in der Manege, an dem auch viele Artisten teilnahmen, und zu dem der Eintritt selbstverständlich kostenlos war. Die Qualität der Darbietungen war extrem hoch - das Festival definiert inzwischen einen eigenen europäischen Qualitätsstandard im Bereich Artistik. Es gab natürlich auch Unvorhergesehenes. Der Beginn der Abendveranstaltung von Wettbewerb B verzögerte sich, weil ein Logengast bewußtlos geworden war, und weil die ärztliche Erstversorgung nur bei Licht stattfinden konnte. Und zur ersten Galaveranstaltung am Samstag kam “Haus-Moderator” Pascal Raviol sichtlich (sympathisch) ins Schwitzen, weil sein Informations-Zettel mit “tausend” nachträglichen Randnotizen im entscheidenden Moment nicht mehr lesbar war - was zu witzigen Namens-Vertauschungen der Preisträger und Jury-Mitglieder führte.


Jiri Mrazek und Pascal Raviol mit mir inne Mitte hömma!

Das exklusive Beweisfoto des Zettels

Die Zuschauer des Zirkus-Spektakels erwartete dieses Mal ein “Frauen-Überschuß”, der es in sich hatte. Nicht nur die Gold-Gewinner (um es vorwegzunehmen) die Trapezkünstler “Duo Elja” und die Akrobaten-Formation “Dolls” gaben den Ton an, sondern auch ihre Kolleginnen auf dem Vertikalseil, mit der Jonglage, bei der Equilibristik, im Rhönrad (mit männlicher Unterstützung allerdings), mit Hula-Hoops, an den Strapaten, in haarsträubenden Kontorsionistik-Posen, per Rola-Rola, oder an der Strickleiter. Und es gab wenig zu meckern. Die Damen flogen durch die Luft, drehten sich im Kreis, und verbogen sich, daß man aus dem Staunen und Applaudieren nicht mehr herauskam. Manches schmerzte allerdings beim Zusehen: Kontorsionistik gehört für mich seit langem neben Darbietungen mit Tieren nicht in die Manege, weil ich mir nicht vorstellen kann, daß die Wirbelsäule durch die ständige enorme Über- und Fehl-Belastung nicht chronisch geschädigt wird…

Der Sieg der oben Genannten war eine eindeutige Entscheidung der internationalen Jury um Tiger-Palast-Chef Johnny Klinke - anders als bei den Preisverleihungen der letzten Jahre, bei denen manchmal einzelne Stimmen den Unterschied machten.


Die “Dolls”

“Duo Elja”




Die beiden hessischen Goldmädels vom “Duo Elja” versuchen jetzt in Berlin ihr Glück, und haben allein beim EYC drei (!) Preise abgeräumt - u.a. ein Engagement in einem italienischen Zirkus!

Chris Kiliano

Ich möchte hier bei aller Bewunderung der Damen auch den etwas zu kurz gekommenen Herren ein Forum geben. Deshalb gibt es in diesem Artikel eine “Männer-Quote” ;)
Zudem ist mein persönlicher Favorit bei der Preisvergabe leer ausgegangen. Der Deutsche Chris Kiliano bietet an den Strapaten eine so außergewöhnliche körperliche Leistung, daß ich ihm einen der diesjährigen Preise gegönnt hätte. Er schafft es, sich mit seinem ganzen Körper in der Luft zu drehen, während er mit nur einem Arm am Strapaten-Seil hängt. Unglaublich!
Kleiner Trost für den Könner in der Luft: Chris sagte mir, er habe bereits so viele Anfragen zu Engagements, daß er sich die Besten aussuchen könne.


Igor Gavva


“Hand´z up”


Die Teilnehmer des Wettbewerbs A


Jonas & Konrad


“The Haddies Jr. Jr.”


Agathe Tixier


Mira & Esmeralda


“Polinde”

Sonder-Preisträger Arron Sparks aus Großbritannien, der mit seiner JoJo-/Jonglage-Nummer und besonders durch seine ansteckende gute Laune das Publikum begeisterte

Rony Gómez


Festliche Preisvergabe auf der Gala


Neben Arron Sparks noch ein männlicher Gewinner: der Österreicher Richard Kahlig, der mit seinem “Rocker-Outfit” und einer auf seinem Hinterkopf angebrachten Maske samt “Opa-Klamotten” als Jongleur gleich doppelt auf der Bühne agierte

Jeanne Durand-Raucher aus Frankreich, die aus der Szenerie rund um ihren Geburtstagskuchen eine freche Handstandequilibristik-Nummer gemacht hat

Mit dem “European Youth Circus” hat die Stadt Wiesbaden wieder einen wichtigen Akzent in der Kulturförderung gesetzt. Während Zirkus in Deutschland gemeinhin nicht als Kultur eingestuft wird, setzt sich das Kulturamt Wiesbaden seit nunmehr 20 Jahren in besonderer Weise für dieses tolle Zirkusprojekt ein. Bravo!
Schon jetzt gilt es, sich den nächsten Termin Ende Oktober/ Anfang November 2010 zu notieren - denn die Vorstellungen sind ruck-zuck ausverkauft!

Bericht: Jörg Buschka
Fotos: Katrin Kaufmann, Max Weidmüller, Photodesign Steltner



Mucke für Landratten mit Fernweh

Erschienen im November 2008

Um frisch in den Weihnachts-Vormonat zu starten, habe ich mir wieder zwei brandneue Platten angehört, verehrtes Publikum.
Die erste stammt von Paul Carrack, der seit mehr als drei Jahrzehnten Kollegen wie Eric Clapton, Mike & The Mechanics, Elton John, Brian Ferry oder die Eagles mit seiner warmen, ausdrucksstarken Stimme unterstützt. Mit dem neuen Album “I know that name” legt er mal wieder ein Solo-Projekt vor. Ich kannte den Namen - ehrlich gesagt - noch nicht, und war überrascht, wie vertraut der Sound schon nach wenigen Momenten klingt.

Die erste erste Singleauskopplung “I Don’t Want To Hear Any More”, auf der Don Henley und Timothy B. Schmit (Eagles) die Backing Vocals singen, war nach nur 2 Tagen bereits auf No. 36 in den Britischen Airplay Charts, und ging auch bei mir gut ins Ohr.
Der Kracher ist aber der Starter “Ain´t no love in the heart of the city”, der mir einen ordentlichen Groove in mein einsames 1-Mann-Büro gezaubert hat. Allerdings bin ich mit Carracks Musik dann insgesamt nicht komplett warm geworden. Das vorliegende Werk ist zweifelsohne perfekt produziert (ebenfalls mit reichlich Backgroundgesang) und voller Lebenslust, aber mir persönlich sind es dann doch zuviele Lovesongs, “irgendwo zwischen Phil Collins und Barry White”. Wer genau diese Art von sattem, volltönigem Soul mag, der sowohl mit Rock als auch mit Blues spielt, wird mit “I know that name” sicherlich voll auf seine Kosten kommen.

Das Album ist seit dem 31. Oktober im Handel erhältlich.

Infos:
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PAUL CARRACK “On Tour:

Paul Carrack & Band “I know that name“-Tour 2008

15.12.08, Hamburg (D), Fabrik
16.12.08, Berlin (D), Columbiahalle
17.12.08, Köln( D), Kulturfabrik

Wird in 2009 fortgesetzt.

Das zweite Album, das meine müden Ohren erreicht hat, ist “Bis ans Ende der Welt” von “Captain´s Club”, einem einmaligen deutschen “Shanty-Chor”, der auf diesem Konzept-Album das Genre Seemannslieder in Form von einzelnen Stücken ganz neu interpretiert. Der Hamburger Produzent Frank Plasa (”Selig”, “Echt”) hat zwölf Künstler, von Laith Al-Deen bis Nena, an die Waterkant geholt, und ließ sie alte Stücke frisch arrangieren und vortragen.


Darunter absolute Perlen wie die Interpretation von “Störtebeker” von Diane Weigmann und mein Favorit “Singapur” von der ehemaligen DDR-Kultband Keimzeit, mit Gastsänger Jan Plewka.
Hammer!
Beides eher melancholische Stücke. Und das durchaus beabsichtigt. Der Pressetext spricht zurecht von “Musik, die nach Salzwasser schmeckt und die nach einem dieser Nachmittage am Strand riecht, wenn die Möwen schreien und die Wellen rauschen: Romantisch, wehmütig, voller Fernweh und Reiselust”. “Auf St. Pauli spielt der Johnny Mundharmonika” von El*KE und “Hamborger Veermaster” von Malte Pittner rocken hingegen richtig und bilden den nötigen Kontrast.
“Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern” von Paulsrekorder erinnert gar an die NDW respektive Hubert Kah.
Auch Nena ist auf diesem Album in Bestform, streichelt mit ihrer Stimme gewohnt zart die Tinnitus-gestreßten Kapitäns-Lausch-Härchen.
Etwas enttäuscht hat mich “Leuchtturm” von Echt-Sänger Kim Frank, der mit seinem letzten großen Erfolg “Julimond” im Jahr 2000 die Latte einfach sehr hoch gehängt hatte. Beim aktuellen Stück klingt er mir einfach eine Spur zu “gepreßt”. Fazit insgesamt: Das ungewöhnliche Konzept von “Captain´s Club” gefällt mir sehr gut, und die sehr unterschiedlichen Stücke schlagen einen unterhaltsamen und bisweilen sehnsüchtigen Bogen durch alle Stimmungen, die Hochseefans und Landratten gleichermaßen von der Liebe, von Hafenkneipen, Männerfreundschaften, und dem Mythos des Lebens auf See erzählen. Ob vor Anker in St. Pauli, vor Rügen, oder am Kap Horn.
Die limitierte Deluxe Edition hält sogar noch eine zweite CD bereit: eine Hörbuch-Episode aus dem Buch „Sturmkap“ aus dem Ankerherz Verlag. Eine Anthologie von Kapitänsgeschichten, zusammengestellt von Stefan Krücken und gelesen von Jan Plewka.

Das Album ist seit dem 24. Oktober im Handel erhältlich.

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CAPTAIN’S CLUB EVENT in Hamburg:

Bei “Hamburg Sounds”, einer monatlichen Veranstaltung von NDR 90.3, wird der Captain’s Club live präsentiert.
Am Montag, 08. Dezember, um 20.00 Uhr in Hamburg – Schmidt’s Tivoli

Fest zugesagt haben bislang::

· Malte Pittner (Deichkind)
· Ole Soul
· Max Mutzke
· Diane Weigmann
· Peter von EL*KE
· Laith Al-Deen

Bericht: Jörg Buschka
Fotos: Dave Robinson, ferryhouse productions



RÜGEN Teil 9

Erschienen im November 2008

AKTUELL: Wir schauen, daß wir Teil 10 heute im Laufe des Tages veröffentlichen können!

JETZT AKTUELL IM BLOG: Buschka trifft Helge Schneider!

ZUR FOLGE:
Der Tag der Abreise. Wieder strahlt der Himmel nicht im perfekten Blau. Doch der Regen hat sich gelegt. Eine kleine Hoffnung auf Badewetter…? Ein letzter Blick auf den Strand von Schaabe. Andenkenläden und Fischbuden nehmen den Sonntagsbetrieb auf. Buschka spürt 19 Jahre nach der Öffnung der Mauer die letzten Ressentiments gegenüber “Wessis” auf, und schaut einem Imbißwirt genau auf die Finger. Beim lässigen Promenaden-Frühstück erzählen Mitarbeiter aus einem Verköstigungsbetrieb von der Arbeit, von Spatzen und Stammgästen, und eine Dame verrät Buschka die Geschichte, wie sie beim Job hier ihren Schatz kennengelernt hat. Wieder unterwegs mit dem Auto, geht es zwischen weiten Feldern “on the road” und über holpriges Kopfsteinpflaster, vorbei an alten Hausfassaden, zurück in Richtung Stralsund. Dann, am Strandparkplatz von Prora, hält Buschka sonnenhungrig und badefreudig das, was ein Besuch auf der Insel eben auch verspricht, und was besonders den letzten Teil 10 bestimmen wird: Sommer, Sonne, und immer eine frische Brise im Haar. Nicht in Dolby Surround, aber in Buschkacolor!

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Doppelspitze zum Nürburgring

Erschienen im Oktober 2008

Am Wochenende habe ich einem Freund beim Foto-Shooting am Nürburgring geholfen. Marcus fotografierte u.a. Smudo für eine Buchveröffentlichung, und ich inszenierte den ganzen Spaß.
Für den Transfer hatte ich zwei brandneue CDs im Gepäck, die unterschiedlicher nicht sein konnten.
Auf der Hinfahrt hörten wir das Album “Mother and Brother” von Jeff Cascaro, der uns - stimmlich angenehm an Curtis Stigers erinnernd - mit seinen toll arrangierten Soul-Stücken eine willkommene Intonation der noch im Morgennebel liegenden Eifellandschaft lieferte. Als Gewinner von “Jugend jazzt” begann er bereits mit 18 Jahren seine Profi-Karriere, und glänzte seitdem u.a. als Gastmusiker und Backgroundsänger bei den Fantastischen Vier, Götz Alsmann, Ute Lemper, und Paul Kuhn.

“Mother and Brother” ist nun schon sein zweites Album. Der 68er Jahrgang, der im Ruhrpott lebt und in Weimar als Professor für Jazz-Gesang arbeitet, zeigt auf seinem neuen Werk, wie weit er den musikalischen Bogen spannen kann: von B.B. Kings “Help the Poor” über “Love is in the air” von John Paul Young bis zu “Follow you, follow me” von Genesis. Marcus und ich haben uns bereits mit dem Starter “I feel fine” richtig eingegrooved, und gleich Song Nr. 2, “The sun is shining for our love”, ließ uns dann aufs Romantischste von imaginären Boxenludern träumen, die uns am Ring natürlich umgarnen würden…

VÖ: “Mother and Brother” 31. Oktober

Termine:
15.11.2008 Siegen, Jazzclub Oase
24.01.2008 Dortmund, Jazzfestival
27.02.2009 Berlin, Festakt DJH

Infos:
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Am Nürburgring angekommen, ging es stattdessen stressig und mit 100% geforderter Improvisation zur Sache:
Wir waren kurz vor dem VLN-Testlauf. Smudo sollte mit einem Pfarrer neben seinem “Bio-Mustang” am Rande der Boxengasse einen visuellen Diskurs über den “heiligen Asphalt” halten, und er hatte viel Spaß mit meinen Regie-Anweisungen wie z.B. “mach´ihm mal de Gerhard Schröder!” (dessen direkte Gestik beim Hereinbitten von Staatsgästen ich ihm als Variante vorschlug). Drumherum qualmte und röhrte es wie im Vorhof zur Hölle, Smudo amüsierte es, wie ich bei Verpuffungen zusammenzuckte, und hielt bei allen Aktionen - wie angeklebt - eine sportliche Plastikflasche Red Bull in übergroßer Dosenform in der Hand, wohl ein Sponsorendeal. Zu einem spontanen Foto für diesen Artikel war er aber leider nicht zu bewegen.

Nach einem langen Arbeitstag hieß es auf der Rückfahrt dann entspannen.
CD-Neuigkeit Nr. 2 kam auf den Plan: Martin Stadtfeld, der gerade mit dem Klassik-ECHO für seine Schubert-CD ausgezeichnet wurde, spielt Johann Sebastian Bach: “Das wohltemperierte Klavier, Teil 1″. Bach war für mich bisher nicht viel mehr als “Kirchenorgel-Musik”. Toll, aber auch irgendwie anstrengend. Noch böser gesagt: “Beerdigungs-Mucke”. Die vorliegenden Präludien und Fugen sind von Bach im Jahre 1722 aber speziell für die “lehrbegierige, musikalische” Jugend komponiert worden, und nach kurzer Einstimmung und einem experimentellen “Ja!” zu dieser Musik konnte mich der unglaublich behende und gleichzeitig präzise Tastenschlag des 28jährigen “Jungen Wilden” Stadtfeld begeistern. Die zur Zeit der Komposition dieser vorliegenden Goldstücke deutscher Klassik neue Methode der Temperierung, also das Stimmen von zwölf Halbtönen innerhalb einer Oktave, so daß alle Tonarten gut spielbar auf einem Tasteninstrument untergebracht sind, markierte unsere heutige “westliche” Musik. Plötzlich waren Stimmungswechsel möglich, die zwar nicht unserer ursprünglichen, “natürlichen” Hörweise entsprechen, aber erst eine so vielfältige Musik wie heute möglich machen. Stadtfelds Doppel-Album hat uns auf der Rückfahrt das nervige stundenlange Motorengedröhne aus dem Hirn verbannt, und uns ganz behutsam zeitlose Kunst nähergebracht. Zu Bachs selbstverständlich nicht sofort eingängiger Melancholie gesellt sich häufig der besagte schnelle Tastenschlag, der auch mich als Bach-Unbedarften schnell “auf Linie” gebracht hat. Ganz ohne stinkende Barock-Klamotten und gepuderte Gesichter sind Marcus und ich durch die Landschaft geflitzt, begleitet vom sagenhaften frühen Vorreiter-Piano-Rock des alten “Johnny aus Eisenach”. Bestnote!

VÖ: “J.S. Bach - Das wohltemperierte Klavier, Teil 1″ 17. Oktober

Termine:
01.11.2008, Dresden, Semperoper
02.11.2008, Dresden, Semperoper
03.11.2008, Dresden, Semperoper
11.11.2008, Badenweiler, Hotel Römerbad
14.11.2008, Wachenheim, Schloß Wachenheim / Festival
16.11.2008, Montabaur, Stadthalle
19.11.2008, Wiesbaden, Kurhaus
23.11.2008, Nürnberg, Opernhaus
28.11.2008, Würzburg, St. Johanniskirche
30.11.2008, Aachen, Eurogress
07.12.2008, München, Prinzregententheater
11.12.2008, Kaiserslautern, Fruchthalle
16.12.2008, Stuttgart, Liederhalle
07.01.2009, Mannheim, Rosengarten
09.01.2009, Köln Philharmonie
11.01.2009, Essen, Philharmonie
28.01.2009, Wuppertal, Stadthalle
30.01.2009, Nürnberg, Meistersingerhalle
05.02.2009, Frankfurt, Alte Oper
12.02.2009, Berlin, Philharmonie
15.02.2009, Ahrensburg, Eduard Söring-Saal
25.02.2009, Dortmund, Konzerthaus
28.02.2009, Engers, Schloss
03.03.2009, Delmenhorst, Theater
12.03.2009, Braunschweig, Stadthalle
15.03.2009, Bielefeld, Oetkerhalle
31.03.2009, Göppingen,
17.04.2009, Nienburg, Giebelsaal
19.04.2009, Weimar,
21.04.2009, Grünwald/München, August Everding Saal
29.04.2009, Hamburg, Laeiszhalle
03.05.2009, Hohenems, Schubertiade
17.05.2009, Lippstadt, Stadttheater
31.05.2009, Bonn, Beethovenhalle
18.07.2009, Gauting, Bürgerhaus
19.07.2009, Bad Kissingen, Kissinger Sommer
03.09.2009, Schwarzenberg, Angelika-Kauffmann-Saal
06.09.2009, Oberbösa, Kulturscheune
30.11.2009, Coburg, Kongreßhaus Rosengarten
27.02.2010, Marburg, Stadthalle

Infos:
Artist-Website
Wikipedia
Label-Website

Bericht: Jörg Buschka
Fotos: Thomas Schloemann, Adrian Schmidt



Subway zum Schlachthof

Erschienen im Oktober 2008

Gestern abend schlugen im Wiesbadener Schlachthof die Flammen aus dem Boden! Die Mittelalter-Düster-Rocker “Subway To Sally” waren zu Gast! Sie sind schon irgendwie mit der “Geschichte von B.e.D.” verbunden: Zuerst war mir vor Jahren auf der “Pop Komm” ein “Metal Hammer”-CD-Sampler hinterhergeschmissen worden, auf dem ich zum ersten Mal ein Stück von “Subway To Sally” hörte. Ich fand die Stimme von Frontmann Eric Fish damals ziemlich gewöhnungsbedürftig. Unterwegs in Deutschland, in Jans Auto, nudeln aber seit Beginn unseres Projekts die S.T.S.-Alben rauf und runter - und inzwischen hab ich mich nicht nur “dran gewöhnt”, sondern höre die Sachen echt gern. Die Stücke haben zwar eine bewußt altertümliche, manchmal (gekonnt) “beschwerliche” Sprache (allerdings hört man hier kein Mittelhochdeutsch wie bei “In Extremo”), erzählen von Leid, Tod, Wollust, Haß und Verderben, sind dabei aber nicht so schwermütig, daß man auf der Fahrt im Handschuhfach schon nach den Rasierklingen kramt. Besser noch: sie erzählen auch mal vom Tanz und schwärmen von der Liebe.

Die Dame und sechs Herren aus Brandenburg bespielten gestern abend rund zwei Stunden lang ihre dunkel gekleidete Fan-Schar.
“Subway To Sally” sind spätestens seit dem 15. Februar auch dem Massenpublikum bekannt - sie gewannen dieses Jahr Stefan Raabs “Bundesvision Song Contest”.

Sänger Eric Fish intonierte mit besagt eindringlicher Stimme u.a. jede Menge Stücke des 2007er Albums “Bastard”, spielte dabei selbst auch mal Flöte und sogar Dudelsack, und erzählte zwischendurch kurze Geschichten.
Die neueren Kompositionen kenne ich zwar noch nicht so gut, aber den fetten Opener “Meine Seele brennt” (passend dazu schlug rammsteinig die Pyro aus dem Boden), “Knochenschiff” und “Auf Kiel” konnte ich mitsingen.

Ein bißchen an Farin Urlaub erinnernd, animierte Eric Fish die Fans beim “Nord Nord Ost”-Stück “Sieben” zum lauten Zählen, und verlangte von der Crowd zu diversen Songs immer wieder “den Schrei”. Die Instrumente sind nicht so ausgefallen wie bei Mittelalter-Bands wie “Schandmaul” oder “Schelmish”, aber die eine oder andere liebevolle Sonderanfertigung - wie auch die Geige - gab´s zu bewundern und zu hören.

Die Stimmung war super, “Subway To Sally” hat mir live auch musikalisch sehr gut gefallen!
Für´s Auge gab´s neben der üblichen Lightshow und besagten Feuerspielereien (Eric Fish brachte zudem zeitweilig auch mal zwei Fackeln neben dem Mikro an) vom Beamer noch nette Animationen zu sehen.

Einer der Höhepunkte war der “Herzblut”-Klassiker “Kleid Aus Rosen”, bei dem Herr Fish an attraktive Damen aus den vordersten Reihen gleichnamige Blumen verteilte. Die Hymne “Meister, Meister, gib mir Rosen…” in der heimischen Konzerthalle war schon ein echtes Erlebnis!
Unter den Zugaben war dann endlich auch mein Lieblingsstück “Veitstanz”. Ein toller Abend, zufriedene schwarzgekleidete Menschen um mich herum - es waaar de Wahnsinn.
Ich geh´mir jetzt auch ´ne Kutte kaufen und empfehle mich. ;)

Bericht: Jörg Buschka
Fotos: Katrin Kaufmann



Kaminfeuer im Herzen

Erschienen im Oktober 2008

Sie hätte sich keinen besseren Zeitpunkt für die Veröffentlichung ihres lang erwarteten neuen Albums “The Jasmine Flower” aussuchen können: Samtstimme Heather Nova schenkt uns zur Düsterzeit den perfekten Soundtrack für kuschelige Stunden mit Gänsehautgefühl!

Ich habe die CD eben bekommen, die ersten Stücke gehört, und konnte die Musik sofort bei mir “einziehen” lassen. Nicht, daß ich auch bei der Arbeit ein “Dauerkuschler” (oder Warmkuschler oder Kuschelduscher (obwohl…)) wäre, aber die von den Bermudas stammende und dort lebende Sängerin schafft es wieder mal, mich mit ehrlicher und komplett selbstkomponierter Musik gekonnt aus meinem Bürotrott zu treten.

Das erste Stück “Ride” hat mich freundlich begrüßt, mir eine Ahnung vom Duktus des Albums versprochen, die Song Nr. 2, “Beautiful Storm”, dann aber sofort wieder auf´s Großartigste verworfen hat. Nicht bloß “schöne Gitarrenmucke”, sondern echte in Musik gegossene Sehnsucht. So wie man es seit 2001 von ihr kennt, als sie begann, ihre Alben selbst und “stripped down” - mit möglichst einfachen Mitteln - zu produzieren.

In dem verzweifelten und gleichzeitig starken “Every Soldier Is A Mother´s Son” nimmt Heather Nova die Perspektive einer Mutter ein, deren Sohn weit weg von ihr in einem Krieg kämpft. In welchem, ist wohl nicht wichtig. Sie sieht nicht den Kämpfer, sondern den Sohn - und betet auch für die Mütter auf der anderen Seite der Front. Songs für den Frieden schreiben geht immer. Aber Heather Nova zeigt auch im realen Leben, daß sie etwas gegen Gewalt unternehmen will: sie setzt sich zusammen mit Amnesty International gegen Waffenhandel ein.

Als in Heathers Aufnahmestudio auf einer der Bermuda-Inseln gleichzeitig das große Mischpult und der Computer komplett den Geist aufgaben, sah alles danach aus, daß es Wochen dauern würde, dort am “Arsch der Welt” neues Equipment herzubekommen. Sie entschließ sich kurzerhand, das Album mit ihrem solargestützten Laptop aufzunehmen und zu mischen. Es bräuchte - wie sie sagt - wohl tatsächlich nur “Sonne und Songs”, um ein gutes Album aufnehmen zu können. Zu “The Jasmine Flower” sagt sie: „Ich weiß, dass es sehr gut geworden ist. Einfach deshalb, weil ich mich sehr unwohl fühle, wenn ich es zusammen mit anderen Personen höre. Ich habe meiner dunklen Seite genau zugehört und erzähle die Wahrheit. Ich bin seit „Oyster“ (das Album verhalf ihr zum weltweiten Durchbruch) nicht mehr so tief in meine Gefühlswelt eingetaucht. Es war so befreiend, dieses Album komplett alleine eingespielt zu haben, ohne Produzent, ohne Band. Das Album hat eine gewisse Reinheit, es atmet.“

In “Out In New Mexico” singt sie von Momenten der Einsamkeit und von der Angst vor der Zukunft. Traurig, aber so schön, daß ich es gleich zweimal gehört habe.
Der Pressetext der Plattenfirma spricht vom “persönlichsten und stringentesten Album ihrer Karriere” - und hat recht. Es ist voller spannender Stimmungswechsel zwischen Glück und Verzweiflung, und dabei mehr als eine eingängige, perfekt eingespielte Pop-Platte. Nicht zu vergleichen mit den gefälligeren “Oyster” oder “Siren”. Man möchte Vergleiche anstellen mit “Storm” von 2003, das neue Werk beschreibt aber seine ganz eigene Welt, ist tiefer, klingt intimer.

Die Stimmung des Albums ist insgesamt eher gesetzt, aber Frau Nova überrascht mit jedem Track. Bei “Looking For The Light” klingt sie sogar ein wenig nach James Blunt, und in “Hollow” singt sie so zart, daß ich es ab sofort immer hören werde, wenn meine Nachbarin mich im Treppenhaus mal wieder nicht grüßt. Wer seine verkorkste Beziehung retten will, bekommt mit dem progressiven, leidenschaftlichen “Say Something” das passende musikalische “Werkzeug” geliefert.

An manchen Stellen überträgt sich die Insel-Einsamkeit, die dem Album gut getan hat, regelrecht auf mich. Bei “Follow Me In Grace” ist es mir dann eine Spur zu trist, das darauf folgende fröhliche “Always Christmas” entläßt mich aber mit einem zufriedenen Lächeln aus dieser runden Mischung richtig guter Songs.

VÖ: 10. Oktober 2008

Heather Nova auf sonybmg.de
Deutsche Website: www.heather-nova.de
Englische Website: www.heathernova.com

Tour:

15.10.2008 Hamburg Große Freiheit
16.10.2008 Berlin Columbiahalle
19.10.2008 Wien Gasometer
21.10.2008 München Muffathalle
22.10.2008 Stuttgart Theaterhaus
24.10.2008 Köln E Werk

Bericht: Jörg Buschka
Fotos: Sacha Blackburne



Gib mir den Samba!

Erschienen im September 2008

(dieser Artikel enthält Fotos, die aber offenbar von manchen Browsern nicht dargestellt werden:)
Ja, bei mir zuhause finden sich irgendwo auch Alben von John Coltrane, Herbie Hancock und De Phazz. Und ich war in Frankfurt mal Montags bei einer dieser berühmten Jam-Sessions dabei. Und auf diversen Helge-Schneider-Konzerten, die eben nicht bloß aus Comedy bestehen. Aber ich kenne mich im Jazz weder aus, noch könnte ich in zwei Sätzen beschreiben, was das ist.
Als ich aber von Till Brönners neuem Album “Rio” erfuhr, wurde ich neugierig - denn ich habe zum gigantischen Millenniums-Silvester 1999/2000 die wilde Stadt am Zuckerhut kennengelernt, und liebe seitdem Samba und Bossa Nova!

Der “bestverkaufende Künstler in der deutschen Jazz-Geschichte” präsentiert auf “Rio” - pünktlich zum 50jährigen Jubiläum der Bossa Nova - ein brilliantes Programm weniger bekannter Stücke, für die er Weltstars wie Sérgio Mendes, Milton Nascimento, Melody Gardot, Kurt Elling, Annie Lennox, Aimee Mann, Vanessa da Mata, Luciana Souza, Larry Goldings und Marcos Suzano gewinnen konnte. Und: auf meinem Lieblingsstück des Albums, “Só danço samba”, singt er zum ersten Mal selbst portugiesisch.

“Rio” hat mich vom ersten Moment an auf eine emotionale Reise mitgenommen. Während es sich in Deutschland gerade endgültig “ausgesommert” hat, hüllt Annie Lennox den Zuhörer des ersten Stückes sofort mit ihrer mächtigen Stimme ein, und zaubert mit “Mistérios” - begleitet vom sehnsüchtig-melancholischen Gesang Nascimentos - die Stimmung eines sommerlichen Abendspaziergangs am Strand durch die heimischen Boxen. Jazz verführt das Ohr hier ganz leicht, viel eleganter als gewöhnlicher, fetter Pop, der in den meisten Fällen den “Haupteingang” nimmt, und durch seinen Elefanten-Bass alle Aufmerksamkeit an sich reißt, ohne das Herz zu gewinnen.
Ganz behutsam verdienen sich Gesang und Gitarre als Hauptelemente meine Aufmerksamkeit, Percussion, Hintergrundgesang, Piano und schließlich Brönners Trompete kommen hinzu.
Und doch will das Album neben Jazz und Bossa Nova auch Pop sein.

“O que será” orientiert sich zwar an Chico Buarques Protest-Texten und Kompositionen gegen die brasilianische Militärregierung der 70er Jahre, hört sich aber sehr frei und lebensfroh an, und läßt mich mit seinem Rhythmus und durch Vanessa da Matas wundervoll gehauchtes Brasilianisch fröhlich auf meinem Schreibtisch-Stuhl wippen. In Gedanken unterwegs mit der kleinen Straßenbahn über das Aquädukt “Arcos da Lapa” zum Bergviertel “Santa Teresa”.
Dort habe ich 1999 mit Freunden in einem Club getanzt, in dem tagsüber Möbel verkauft wurden. Genau dorthin würde auch das dritte - eben schon erwähnte - Stück “Só danço samba” passen.

Spätestens seit dem Film “Magnolia” kennt man Aimee Manns sanfte Stimme, die “Once I loved” seine Tiefe gibt. Till Brönners Trompete umspielt sie verträumt, und erzählt schließlich selber eine Geschichte von Liebe und Sehnsucht.
Eine Stimmung, die Milton Nascimento und Luciana Souza in das Stück “Evening” mitnehmen. Momente wie der Blick vom Berg “Corcovado” auf die schönste Stadt der Welt, wenn am Abend nacheinander alle Lichter angehen, und das brandgefährliche Rio de Janeiro so schön und friedlich aussieht, wie man es von zahlreichen Postkarten und Reisedokus kennt.

Die Trompete übernimmt bei “Ela é Carioca” die Regie, und “singt” zusammen mit dem großen Sérgio Mendes, der mich endgültig in Rio ankommen läßt. Das ist brasilianische Leichtigkeit, die daherkommt wie “Girl from Ipanema” - ebenfalls aus der Feder von Antônio Carlos Jobim. Schöne Körper flanieren an der Promenade, Touristen trinken “Agua de Coco” am Strand.
Melody Gardot nimmt mich auf “High Night” mit in die verlassenen Straßen von Rio, die es (wie mein Hostel-Kumpel John aus New York und ich auf dem Nachhauseweg nach Copacabana feststellen mußten) sonntagmorgens wirklich gibt - dann fährt nicht mal ein Taxi vorbei, das man anhalten könnte.
Auf “Café com Pão” (Kaffee mit Brot) singt Till Brönner wieder selbst. Ein Stück über die Poesie des Alltäglichen in Brasilien, die einfachen Dinge, die das Leben ausmachen. Leicht wie Kaffee und Kuchen (oder Brot).
Auf dem Instrumental “Lígia” kommt mir Brönners Trompete emotional besonders nah; Das Stück erzählt von der Verehrung einer Frau.
Das flehende “Sim ou não” ist trotz seines behutsamen Tempos dramatisch. Kurt Elling singt mit eindringlicher Stimme zwischen Verzweiflung und Hoffnung.

João Donatos “A rã” (Der Frosch) ist sofort im Ohr zuhause. Wie eine Hymne Rios, wie der erste Schluck vom brasilianischen Zuckerrohrsaft, ist das Stück ein perfekter, verspielter Botschafter brasilianischer Lebensfreude. Die Trompete singt wieder in gleicher Reihe mit den Bossa-Nova-vocals, die ihren typischen sich wiederholenden SingSang formulieren, ihr Rio in Tempo und Atmoshpäre wie zum Karneval feiern, und Fernweh verbreiten.
Brönner besingt und bespielt schließlich auf “Bonita” eine mysteriöse Frau, die so verführerisch sein muß, daß er nicht müde wird, um ihre Liebe zu werben, ihr anbietet, sich “zum Clown” zu machen. Wer einmal Brasilianerinnen beim Tanzen beobachten konnte, wird ihn verstehen.
Mit dem leichten und verspielten “Aquelas coisas todas” klingt dieses großartige Album aus, mit dem Brönner seinen Einstand auf der Internationalen Bühne feiert.
Die 13 Stücke haben mir wirklich wieder meinen Brasilien-Besuch ins Herz zurückgerufen, und ich versuche mich gerade zu erinnern, was das für Süßigkeiten waren, die der Bauchladen-Mann da vor der Neuen Kathedrale im Herzen Rios verkauft hat… Gleich nochmal hören, das Ding!

DER TRAILER ZUM ALBUM “RIO” AUF YOUTUBE
Till Brönners Website
Label Website
Till Brönner auf MySpace

Die “Rio Live” Tour 2008:

08.11.08 Salzburg [A] Salzburger Jazz Herbst
25.11.08 Düsseldorf Tonhalle
26.11.08 München Philharmonie
28.11.08 St. Pölten [A] Festspielhaus
29.11.08 Baden-Baden Festspielhaus
30.11.08 Darmstadt Darmstadtium
08.12.08 Hamburg Laeiszhalle - Musikhalle [20:00]
09.12.08 Berlin Philharmonie
10.12.08 Dortmund Konzerthaus
11.12.08 Bremen Glocke
13.12.08 Kiel Kieler Schloss

Bericht: Jörg Buschka
Fotos: Verve/ Universal Music Jazz