Buschka entdeckt Deutschland

Kaminfeuer im Herzen

Gespeichert unter: Allgemein — 6. Oktober 2008 @ 18:43

Sie hätte sich keinen besseren Zeitpunkt für die Veröffentlichung ihres lang erwarteten neuen Albums “The Jasmine Flower” aussuchen können: Samtstimme Heather Nova schenkt uns zur Düsterzeit den perfekten Soundtrack für kuschelige Stunden mit Gänsehautgefühl!

Ich habe die CD eben bekommen, die ersten Stücke gehört, und konnte die Musik sofort bei mir “einziehen” lassen. Nicht, daß ich auch bei der Arbeit ein “Dauerkuschler” (oder Warmkuschler oder Kuschelduscher (obwohl…)) wäre, aber die von den Bermudas stammende und dort lebende Sängerin schafft es wieder mal, mich mit ehrlicher und komplett selbstkomponierter Musik gekonnt aus meinem Bürotrott zu treten.

Das erste Stück “Ride” hat mich freundlich begrüßt, mir eine Ahnung vom Duktus des Albums versprochen, die Song Nr. 2, “Beautiful Storm”, dann aber sofort wieder auf´s Großartigste verworfen hat. Nicht bloß “schöne Gitarrenmucke”, sondern echte in Musik gegossene Sehnsucht. So wie man es seit 2001 von ihr kennt, als sie begann, ihre Alben selbst und “stripped down” - mit möglichst einfachen Mitteln - zu produzieren.

In dem verzweifelten und gleichzeitig starken “Every Soldier Is A Mother´s Son” nimmt Heather Nova die Perspektive einer Mutter ein, deren Sohn weit weg von ihr in einem Krieg kämpft. In welchem, ist wohl nicht wichtig. Sie sieht nicht den Kämpfer, sondern den Sohn - und betet auch für die Mütter auf der anderen Seite der Front. Songs für den Frieden schreiben geht immer. Aber Heather Nova zeigt auch im realen Leben, daß sie etwas gegen Gewalt unternehmen will: sie setzt sich zusammen mit Amnesty International gegen Waffenhandel ein.

Als in Heathers Aufnahmestudio auf einer der Bermuda-Inseln gleichzeitig das große Mischpult und der Computer komplett den Geist aufgaben, sah alles danach aus, daß es Wochen dauern würde, dort am “Arsch der Welt” neues Equipment herzubekommen. Sie entschließ sich kurzerhand, das Album mit ihrem solargestützten Laptop aufzunehmen und zu mischen. Es bräuchte - wie sie sagt - wohl tatsächlich nur “Sonne und Songs”, um ein gutes Album aufnehmen zu können. Zu “The Jasmine Flower” sagt sie: „Ich weiß, dass es sehr gut geworden ist. Einfach deshalb, weil ich mich sehr unwohl fühle, wenn ich es zusammen mit anderen Personen höre. Ich habe meiner dunklen Seite genau zugehört und erzähle die Wahrheit. Ich bin seit „Oyster“ (das Album verhalf ihr zum weltweiten Durchbruch) nicht mehr so tief in meine Gefühlswelt eingetaucht. Es war so befreiend, dieses Album komplett alleine eingespielt zu haben, ohne Produzent, ohne Band. Das Album hat eine gewisse Reinheit, es atmet.“

In “Out In New Mexico” singt sie von Momenten der Einsamkeit und von der Angst vor der Zukunft. Traurig, aber so schön, daß ich es gleich zweimal gehört habe.
Der Pressetext der Plattenfirma spricht vom “persönlichsten und stringentesten Album ihrer Karriere” - und hat recht. Es ist voller spannender Stimmungswechsel zwischen Glück und Verzweiflung, und dabei mehr als eine eingängige, perfekt eingespielte Pop-Platte. Nicht zu vergleichen mit den gefälligeren “Oyster” oder “Siren”. Man möchte Vergleiche anstellen mit “Storm” von 2003, das neue Werk beschreibt aber seine ganz eigene Welt, ist tiefer, klingt intimer.

Die Stimmung des Albums ist insgesamt eher gesetzt, aber Frau Nova überrascht mit jedem Track. Bei “Looking For The Light” klingt sie sogar ein wenig nach James Blunt, und in “Hollow” singt sie so zart, daß ich es ab sofort immer hören werde, wenn meine Nachbarin mich im Treppenhaus mal wieder nicht grüßt. Wer seine verkorkste Beziehung retten will, bekommt mit dem progressiven, leidenschaftlichen “Say Something” das passende musikalische “Werkzeug” geliefert.

An manchen Stellen überträgt sich die Insel-Einsamkeit, die dem Album gut getan hat, regelrecht auf mich. Bei “Follow Me In Grace” ist es mir dann eine Spur zu trist, das darauf folgende fröhliche “Always Christmas” entläßt mich aber mit einem zufriedenen Lächeln aus dieser runden Mischung richtig guter Songs.

VÖ: 10. Oktober 2008

Heather Nova auf sonybmg.de
Deutsche Website: www.heather-nova.de
Englische Website: www.heathernova.com

Tour:

15.10.2008 Hamburg Große Freiheit
16.10.2008 Berlin Columbiahalle
19.10.2008 Wien Gasometer
21.10.2008 München Muffathalle
22.10.2008 Stuttgart Theaterhaus
24.10.2008 Köln E Werk

Bericht: Jörg Buschka
Fotos: Sacha Blackburne

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