Maßlosigkeit bewirkt kalten bis “lauwarmen” Krieg
Viel zu spät habe ich eben endlich den beeindruckenden und schockierenden österreichischen Dokumentarfilm We feed the world von Erwin Wagenhofer im Kino gesehen. Die darin an Beispielen wie der Zerstörung gesunder Fischgründe durch EU-Gesetze, Sojaexport (und Urwaldrodung dafür in Brasilien), Massentierhaltung, martkvernichtender Tomatenexporte von reichen in ärmste Länder, der Konzernphilosophie von NESTLÉ etc. veranschaulichte industrielle Maß- und Verantwortungslosigkeit läßt mich wie im Film “Trainspotting” in´s eiskalte vollgekackte Klo einer fast schon “Über-Realität” plumpsen!……………
Der Film wird am 26. Oktober auf DVD veröffentlicht (ich bekomme für diese Werbung keinen Pfennig :) ), und ich kann nur Jedem raten, ihn sich wenigstens in ´ner guten Videothek auszuleihen! Er bringt nachvollziehbar Zusammenhänge und damit viel Irrsinn des globalen Handels auf den Tisch, daß einem Hören und Sehen vergeht. Sei es das Beispiel von nur einmal verwendbarem “Hybridsamen” für z.B. Auberginen im ohnehin armen Rumänien, oder sogar das gezielte Scannen des Know-Hows kleiner europäischer Fischer mit dem Ziel, sie EU-weit zugunsten “effektiverer” und rationalerer Großboote abzulösen. Damit werden nicht nur die Fischer arbeitslos, sondern auch die Fanggründe durch das verantwortungslose “Dauerfischen” nachhaltig zerstört. Von den harten Bildern einer modernen Hühnerfarm ganz zu schweigen… Zuletzt ist der Firmenchef von NESTLÉ im Interview zu sehen, der nicht nur den Zweig “Bio” belächelt, sondern auch behauptet, der Mensch sei nun in der Lage, der Natur noch etwas nachzuhelfen -die Natur sei “nicht das Beste, was es gibt”. Ich arbeite aktuell (in meinem “wahren Leben”) an einer TV-Reportage über die VerWÜSTung Chinas und Europas. Das gleiche Thema liegt letztlich “We feed the world” zugrunde: Ausbeutung der Natur und des Menschen durch Einige Wenige. Verantwortungsloser freier Handel ermöglicht die Maßlosigkeit von inzwischen nur noch weltweit 500 Größtkonzernen, die im weltweiten Konkurrenzkampf natürlich primär Gewinn-Maximierung auf ihre Agenda stellen (bei Banken ist das übrigens nicht wirklich anders…). Ein leitender Manager einer NGO (Nichtstaatlichen Hilfsorganisation) erzählte mir zu diesem Thema einmal, wie hilflos er sich in seinem Kampf als “Tropfen auf lauter heiße Steine” fühle; er spiele mit dem Gedanken, politisch aktiv zu werden. Für mich wird (bei aller Sorgfalt der eigenen Meinungsbildung) nach dem Anschauen dieses Films noch deutlicher, daß sich die Themen Maßlosigkeit, Unverhältnismäßigkeit und Verantwortungslosigkeit wieder und wieder in vielen modernen Strukturen zu wiederholen scheinen. Auch Mega-Fusionierungen, Megacities etc. etc. -all das “MEGA” führt zu Ungleichgewichten, die bei den immer größer werdenden Reihen der Wehrlosen (gegenüber großen Konzernen und deren stetes Schaffen neuer Abhängigkeiten und Vordringen bis in die letzten Winkel unseres Alltags) nicht nur Hunger und totale Abhängigkeit, menschenunwürdige Arbeit etc. verursachen, sondern am Ende der Kette tatsächlich Todesopfer fordern. Das ist nicht mehr und nicht weniger als Krieg! Irgendwie fühle ich mich da auch als Rädchen in diesem bekloppten System: Ich soll als studierter Diplom-Designer etwas so perverses wie “Bedürfniserzeugnug” betreiben, d.h., “Neue Realitäten” schaffen, die gar keine sind. Nur zugunsten ihrer Verkäuflichkeit. Natürlich gibt es auch Social Marketing etc., aber wenn man als potentieller Werber mal ehrlich ist, verkauft man hauptsächlich einen Haufen Scheiße. Zum Film gibt´s übrigens eine inoffizielle Seite, die ich wärmstens empfehlen möchte: wefeedtheworld.de
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