Michael Jackson
Michael Jackson war ein großer Teil meiner Jugend, und deshalb hat mich die Nachricht von seinem Tod schwer getroffen.
Ich war von 1988 bis 1999 auf insgesamt 13 seiner Konzerte (BAD-, DANGEROUS-, HIStory-Tour und MICHAEL JACKSON & FRIENDS), u.a. in Amsterdam, Kopenhagen und Prag. Auf dem Prager Eröffnungskonzert der HIStory-Welttournee 1996 z.B. habe ich Jackson mit 130.000 Fans live gefeiert.
Ich hatte schon so eine Ahnung, daß er die anstehende “Comeback”-Tour (die ja nur eine gezwungene Not-Einkunft war, um seine Schulden abzahlen zu können) vielleicht nicht überstehen würde, da er schon vor zehn Jahren bei Konzerten zusammengebrochen ist. Nun hat ihn die über-eiserne Disziplin, die ihm als 5jähriger schon sein Dad eingeprügelt hat, offenbar das Leben gekostet.
Bei meinen ersten MJ-Konzerten 1988 hatte ich noch keine Konzert-Erfahrung; sprich: nicht genug Wasser dabei, so daß ich zwar bei der Vor-Diva Kim Wilde noch ganz vorn stand, bei Jacksons Auftritt aber nach hinten gehen mußte. Dumm.
Später, ab der DANGEROUS-Tour ´92, packte ich dann schon “strategisch richtig” Proviant, und die richtigen Getränke zur richtigen Zeit (Anfangs beim Warten vor dem Stadion noch Wasser, weil man sich mit den anderen wartenden Fans absprechen konnte, das WC zu besuchen, ab Einlaß dann nur noch Saft und kleine Trinkpäckchen, die durch die Einlaßkontrolle kamen). Sprich: morgens um 5h vorm Einlaß warten (da, wo Andere sogar übernachteten), und ab 16h darauf gefaßt sein, daß mich ein Aufstehende-Menschen-Tsunami zum Einlaß peitscht. Die Drückerei war beim 130.000-Zuschauer-Konzert in Prag (ohne “Wellenfänger”-Absperrungen und “Pool Position”!!) sogar lebensgefährlich. Ich habe Rippenbrüche mitbekommen, mußte selbst 1997 mal mit einem Notarztwagen aus dem Kölner Stadion gebracht werden, weil ich beim Sturm auf den Innenraum mit dem Fuß umgeknickt war (bin NACH dem Konzert erst zum Arzt ;) ). Enge, Quetscherei, Hitze, viel “De-Eskalations-Taktiken” lernen, und immer wieder Anekdoten von anderen Fans mitbekommen. So fand das Konzert eigentlich den ganzen Tag über schon statt.
Viele Konzerte konnte ich aus der zweiten Reihe verfolgen, was unglaublich war, weil Jacksons energetische Moves besonders aus der Nähe eine wirkliche Attraktion waren. Allem voran natürlich der Moonwalk.
Manko: Seit der 1992er Tour sang Jackson immer weniger live. Mein alter MJ-Fan-Weggefährte Florian und ich waren dann 1996 bei der Premiere der HIStory-Tour umso enttäuschter, als es noch weniger live Gesungenes gab - stattdessen kitschige Bühnenshows mit einem blumentragenden Kind, das einen Panzer stoppt. Scheußlich. 1999 dann in München bei MICHAEL JACKSON & FRIENDS der Höhepunkt: Nach einem Mammut-Programm an Vorgruppen trat Jackson nur 45 Minuten auf, und lieferte ein enttäuschendes Programm. Eine Steigerung davon hatte ich für die geplante THIS-IS-IT-Tour in London befürchtet…
Dabei ist Michael Jackson ein wirklich guter Sänger gewesen, der auch ohne permanenten Kitsch seine Songs mal in einem “abgespeckteren” Umfeld hätte wirken lassen können.
Auf OFF THE WALL erlebt man m.E. den authentischsten Jackson, den man hören kann.
THRILLER war erfolgreich, und ich liebe das Album ebenfalls, aber es ist tausendmal totgemixt und wieder neu abgeschnubbelt worden… …OFF THE WALL klingt noch viel ursprünglicher. Obwohl man ehrlich sein muß: von Anfang an waren die JACKSON 5 und THE JACKSONS Massengeschmack. Dennoch klingen für mich Michael Jacksons Stimme und seine Ausdruckskraft durch den Wust an gefälligen Massenprodukten der Musikindustrie hindurch.
Skurril war für mich -ab 1996 spürbar- wie Jacksons Fan-Kult durch Marketing-Fuzzis vor den Stadien und vor seinen Hotels unnötig künstlich angeheizt wurde. Das war lächerlich, und er hat das m.E. gar nicht nötig gehabt.
An echten Fan-Momenten gab es wahrlich genug: ich erinnere mich an viele Situationen, wie Frauen weinend am Straßenrand gesessen und “wowww! Seine Augen! Ich habe ihn gesehen!!” gewimmert haben. Das war gruselig. Michael Jesus.
Aber ich habe auch selbst kräftig mitgemischt. in Amsterdam habe ich 1996 zusammen mit anderen Fans die Moves zu THEY DON´T CARE ABOUT US performt, und wurde dabei prompt vom King himself vom Hotelfenster aus gefilmt. In den Tagen lief ich zudem mit einem BAD-Schal um die Stirn gebunden durch die Stadt, tanzte vor irgendeiner TV-Kamera, und war ein Wochenende lang in ganz Holland bekannt, wurde von Passanten auf der Straße erkannt.
Damals bin ich auch MJs Manager Bob Jones begegnet, der mir auf meine Anfrage hin seine Visitenkarte REICHEN LIEß.
Zurück unter Jacksons Hotelfenster, wurde ich Zeuge, wie er “mystisch beschriebene” Stofftaschentücher aus dem Fenster warf, mit Zeilen wie “I cannot stick my head out of the window - the sun is my enemy”. Fans kloppten sich darum (ich bekam die Dinger nur kurzzeitig zu fassen), und ein auf seinem Fahrrad vorbeifahrender, lästernder “Anti-Fan” wurde von Jackson-Anhängern mitsamt Rad in einen Busch geworfen.
Und dann meine persönliche Ent-Ikonisierung: Nachdem ich filmreif mit vielen anderen Fans hinter Jacksons Auto hergelaufen war, gelang es mir, ihn beim Herauskommen aus dem Amsterdamer Madame Tussauds um den rechten Arm zu fassen. Ich bin also ein Zeuge: er war ein Mensch, kein Engel, keine Projektion, womöglich auch kein Außerirdischer. Dabei muß ich sowas gebrabbelt haben wie “Michael! Touch me!”. Seine “Antwort” in seinen schwarzen Mundschutz genuschelt: “No!!”. Man mag es “Unterhaltung” nennen… ;)
Vieles um die Mega-Figur Michael Jackson war mir immer suspekt, und ich kann nur ahnen, wie merkwürdig es gewesen sein muß, in seiner Haut zu stecken. Dann aber wieder gab es auch dann und wann richtig gute, tiefgreifende Interview-Momente mit ihm, in denen ich meine, seine wahre kreativ-schüchterne Natur durchblitzen gesehen zu haben. Ich hätte ihm gern einmal persönlich gesagt, daß seine Musik Substanz hat, auch ohne Show-Effekte zu begeistern. Sie begleitet mich nun schon seit 22 Jahren, und so wird es weitergehen.
Frieden für Dich, Michael Jackson!
Jörg

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Juli 12th, 2009 @ 11:30
Endlich ist MJ tot! Es hat eh langsam gereicht mit seinem Scheiß.
Juli 13th, 2009 @ 00:07
Auch pietätlose Arschlöcher dürfen hier mal ihre Meinung hinterlassen. Schön provozieren. Tut auch mal gut, hm?
August 26th, 2009 @ 17:28
Ich war auf einen Konzert in Amsterdam. gab es mehrere? Es war das BESTE konzert auf dem ich je war und es wird nie zu toppen sein. Die Show war der Hammer. Welche Tour war das? so ca 1995-96 war das. Aber die damals ,,neue,, Halle von Ajax ( war es deren halle? )
trug eine menge dazu bei. Hammer Halle
leb wohl M.J. hast meine Jugend begleitet
Ruppert
August 26th, 2009 @ 22:36
Lieber Ruppert,
das war 1996, und in der AJAX-Arena habe ich zwei Konzerte von Michael erleben dürfen!
Das ist quasi ´ne Halle in Stadien-Form, die oben geöffnet werden kann. Wird wohl bei vielen neuen Stadien gemacht.
Ja, de Michael…
Sitze grade hier vor´m Rechner mit Florian, mit dem ich u.a. 1996 auf der HIStory-Premiere in Prag war.
Haben uns grad über dem unterirdischen Al Walser Tribute Song erbrochen.
Mannomann…
LG, Jörg